Aperer: Rhabarber, Enzian & Co. sind Kult

Mit seinem unvergleichlichen Werdegang ist Aperolbereits im dritten Jahr die erfolgreichste Sprituosenmarke Deutschlands. In atemberaubender Geschwindigkeit wurde die Spirituose aus dem Hause Campari in Deutschland bekannt und entwickelte sich zum veritablen Szene-Drink. Im letzten Jahr wurden allein im Lebensmitteleinzelhandel fast 3,4 Millionen Flaschen verkauft, mehr als doppelt soviel als im Jahr zuvor (Quelle: Nielsen, Absatz 2010).

Das Geheimnis des rasanten Aufstiegs von Aperol ist insbesondere auf den Aperol Spritz zurückzuführen. Frisch, leicht und unkompliziert, das ist das orange leuchtende Trendgetränk, dessen Rezept sich ganz leicht mit der Formel 3, 2, 1 auf den Punkt bringen lässt: 3 Teile Prosecco, 2 Teile Aperol, ein Spritzer Soda, Eis und eine Orangenscheibe – fertig ist die Erfrischung.

Unterstützt wurde der Erfolg durch einen umfangreichen Marketing-Mix, der in 2011 noch erweitert wird. Geplant sind neben einer TV-Kampagne auch Online- und Direktmarketingmaßnahmen. Verkostungspromotions sowohl im Lebensmitteleinzelhandel als auch auf zielgruppenaffinen Events und in studentischen Umfeldern werden das Produkt erlebbar machen. Unter dem Motto „Verrückt nach Leben“ aktiviert Aperol die Konsumenten mit PR-Aktionen, die schwerpunktmäßig Lifestyle-Titel ansprechen. „Aperol ist in Deutschland seit rund 3 Jahren die wachstumsstärkste Spirituosenmarke. Der Drink Aperol Spritz ist von Italien über Österreich (wo weltweit der höchste Pro-Kopf-Konsum erzielt wird) zunächst nach München gekommen und hat – spätestens seit dem vergangenen Jahr – auch Nord- und Ostdeutschland erreicht. Hier ist aber noch so viel Potenzial für die kommenden Jahre, dass wir fest davon überzeugt sind, dass Aperol in Zukunft einen noch größeren Bekanntheitsgrad erreichen und bald die Nummer eins Importspirituose werden wird“, so Michael Wonneberg, General Manager Campari Deutschland GmbH.

Über Aperol
Begonnen hat die grandiose Erfolgsgeschichte bereits vor 92 Jahren, als die Brüder Luigi und Silvio Barbieri 1919 anlässlich einer Ausstellung von Venedig nach Padua reisten. Im Gepäck hatten sie ihre neueste Kreation: Aperol. Das Originalrezept ist bis heute unverändert geblieben und basiert auf einer Aromenkomposition aus Rhabarber, Enzian, Bitterorange und Kräutern und ist berühmt für seine auffällig orange-rote Färbung, einem bittersüßen Aroma und einem Alkoholgehalt von 15 Prozent Vol.

Slow Food Messe schreibt Erfolgsgeschichten

Dr. Hanns-Ernst Kniepkamp (Foto: Privat) ist ein sympathischer Mann. Im früheren Leben war er Chemiker bei der Firma B. Braun im nordhessischen Melsungen. Heute widmet er sich leidenschaftlich der Slow Food-Philosophie – mit anhaltendem Erfolg.

slow food messe

Es ist nicht übertrieben, wenn man Dr. Kniepkamp als den Erfinder der Slow Food Messe mit dem Namen “Markt des guten Geschmacks” bezeichnet. Zum fünften Mal fand sie jetzt in Stuttgart statt. Doch seit 2005 gibt es das Spezialitätenfestival Nordhessen geschmackvoll. “Slow Food wollte diese Veranstaltung auch nach Stuttgart holen – so ist letztendlich diese Messe entstanden”, sagt Kniepkamp.

Wie jedes Jahr hat er auch diesmal wieder die Produkte der Aussteller auf Herz und Nieren geprüft. “Wenn der das macht, dann wird das nichts mit der Messe”, hat man ihm einst nachgesagt. Heute lächelt er darüber und freut sich über den wachsenden Zuspruch. Mit 100 Ausstellern ist die Messe in Stuttgart einst an den Start gegangen. Heute sind es rund 400 Produzenten und Direktvermarkter, die ihre Waren feilbieten.

Kleine Schritte zu einer besseren Welt

Die Erfolgsgeschichten der Messe sind kleine Schritte hin zu einer “besseren Welt”: “Wir wollen zeigen, wie es auch gehen kann”, sagt Kniepkamp. Dabei spricht er von rund 30 Prozent Überproduktionen an Lebensmitteln, den rund 20 Prozent, die vom Endverbraucher zuhause weggeschmissen werden und auch von den Gewürzherstellern, durch deren Produkte, Lebensmittel heute geschmacklich verändert werden. Dem Slow Food-Gedanken wird dies nicht gerecht und so ist auch Kniepkamp der Meinung, dass das Produkt an sich bereits seinen Geschmack entfalten sollte.

Dafür kämpft er und wünscht sich noch mehr Beispiele wie das der Eichelschweine: In der Nähe von Würzburg leben sie im Wald, suhlen sich im Schlamm, wühlen umher und schlafen in Heuschüttungen. Ihr Fleisch ist fest, dunkel, saftig bratend, einzigartig im Geschmack – bei diesen Kriterien gibt es auch für Kniepkamp nichts mehr zu rütteln. Das Unternehmen durfte auf der Messe ausstellen.

Eine Mühle, die sonst Mehle und Müsli auf der Messe angeboten hat und nun auch noch die Wurst vom Bauernhof mit vorstellen wollte, musste nachbessern. “Wir haben unsere Qualitätskriterien mittlerweile auf ein hohes Level angehoben. Die Lebensmittel hier auf der Messe müssen gut schmecken, anschaulich hergestellt werden und jedem, der am Prozess beteiligt ist, eine Lebensgrundlage bieten, auch den Tieren”, sagt der Kontrolleur. Etwa ein Prozent schmeißt er raus, einige wollen und können ihre Produktion verändern. So auch der Bauernhof, der seine Wurstproduktion komplett umgestellt hat. Diese kleinen Schritte sind es, die Kniepkamp so sehr mag.

Weitere Slow Food-Beiträge auf Narrare: Genuss ist nicht selbstverständlich sowie Fairer Visionär und Standhafte Pioniere.

Mehr Mut zur Fachkompetenz

Zwischen Fachjournalisten und Redaktionen könnte es fruchtbarer zugehen – ein Annäherungsversuch

(Dieser Beitrag ist im Fachjournalist erschienen und hat zahlreiche Reaktionen hervorgerufen. Ich veröffentliche deshalb an dieser Stelle einige Passagen. Der komplette Beitrag ist hier zu finden.)

In der medialen Wahrnehmung hat die seichte Unterhaltung längst die hintergründigen Formate verdrängt. Die Gewichtung scheint aus den Fugen zu geraten wenn Einschaltquoten und Auflagenzahlen die Inhalte bestimmen. Für Fachjournalisten ist es schwierig, ihre Kompetenzen zu vermarkten – denn sie treffen gerade in der Publikumspresse auf Redakteure, die sich exakt diesen Vorgaben unterwerfen müssen. Doch es gibt sie, die Fachmedien, die Spezialisten für qualifizierte Beiträge suchen. Die Publikumspresse scheint indes ebenfalls nach ihnen zu suchen, wenn Fachjournalisten in der Lage sind, ihre Kompetenz für ein breites Publikum herunterzubrechen.

Leider gibt es für unsere Thematik nur wenige Fachjournalisten

“Wir suchen freie Autoren, die aus Österreich, dem Sauerland und den neuen Bundesländern berichten. Leider gibt es für unsere Thematik aber nur wenige Fachjournalisten”, sagt DIETER BIERNATH, Chefredakteur und Herausgeber der Fachzeitschriften FORSTMASCHINENPROFI und ENERGIE PFLANZEN. Beide Zeitschriften erscheinen im Forstfachverlag in Scheeßel. Der Fachkollege FERDINAND OBERER fühlt sich in diesem Verlag gut aufgehoben. “Hier darf ich ausführlich und kritisch berichten“, sagt er. Als Diplomforst- und Diplombetriebswirt könne er in diesem Verlag beispielsweise darüber schreiben, wie größere Konzerne die Entwicklungen auf dem Markt der erneuerbaren Energien torpedieren. Ich sehe mich als freier Journalist verpflichtet, kritische Dinge anzusprechen, und habe mich nicht zuletzt aus diesem Grund dem Journalismus zugewandt”, erzählt er.

Manchmal findet Kritik statt, aber dann vielleicht auf der Seite Zwei

FERDINAND OBERER beobachtet indes, dass es nicht viele Medien gibt, die sich offen kritisch über die Branche äußern, über die sie berichten. “Manchmal findet Kritik statt, aber dann vielleicht auf der Seite Zwei”, beobachtet auch CARSTEN HENNIG. Der Hamburger Journalist ist ein erfahrener Mann innerhalb der Hotellerie- und Tourismusbranche. Sein Schwerpunkt liegt im Onlinejournalismus sowie in der Unternehmenskommunikation. Er weiß, dass die Thematik Lebensmittelzusätze in Convenience-Produkten (Fertiggerichte bzw. vorgefertigte Food-Komponenten) eine hohe Aktualität und Relevanz besitzt, diese aber in den Fachmedien kaum diskutiert wird, weil die Anzeigenkunden dann nicht gehalten werden können.

Wieder spitzer und pointierter formulieren

Gerade weil eine fachlich fundierte Berichterstattung ohne den kritischen Ansatz jedoch nicht auskommen kann, wünscht sich CARSTEN HENNIG mehr Mut in den Redaktionen. “Wir sollten wieder spitzer pointieren und formulieren. Ich wünsche mir noch viel mehr Hintergrundinformationen in den Medien und sehe hier eine Chance für die Fachjournalisten”, beschreibt er. Denn HENNIG beobachtet auch, dass Themen, die etwa unter den Topmanagern der Hotellerie diskutiert werden, das Haus überhaupt nicht verlassen. “Als Journalist bekomme ich die Information erst am Ende, es sei denn, ich habe ein enges Netzwerk”, sagt der Journalist. Fachjournalisten sollten sich deshalb auf die außergewöhnlichsten Themen stürzen und diese als Multiplikatoren verbreiten.

Sportangebot deutlich vielfältiger gestalten

“Ich wünsche mir das Comeback eines hintergründigen Sportmagazins im Fernsehen, wie etwa des SPORTSPIEGELS beim ZDF oder SPORT UNTER DER LUPE vom SWR. Dieses Magazin sollte wöchentlich oder mindestens 14-tägig erscheinen und Fehlentwicklungen im Sport rechtzeitig antizipieren und dann adäquat kritisieren”, sagt Prof. Dr. phil. MICHAEL SCHAFFRATH. Der kommissarische Leiter des Lehrstuhls für Sport, Medien und Kommunikation an der TECHNISCHEN UNIVERSITÄT MÜNCHEN und Herausgeber der Schriftenreihe SPORTPUBLIZISTIK plädiert zudem seit Langem dafür, dass ARD und ZDF sich nicht in diesem ökonomisch unvernünftigen Maße um Fußballrechte bemühen sollten. Vielmehr sollten sie aufgrund der Gebühreneinnahmen ihre Möglichkeiten nutzen, das Sportangebot deutlich vielfältiger zu gestalten.

Sinkender Einfluss der ärztlichen und medizinjournalistischen Kompetenz
Auch der Mediziner Dr. med. CHRISTOPH FISCHER kann für den Medizinjournalismus nicht immer eine ausgewogene Berichterstattung in den Medien erkennen. “Ich persönlich habe in den letzten Jahren meines journalistischen Berufslebens als Ressortchef Medizin der Bundesausgabe der BILD-Zeitung die Erfahrung eines kontinuierlich sinkenden Einflusses meiner ärztlichen und medizinjournalistischen Kompetenz verspürt und daraus die Konsequenz – Kündigung – gezogen”, beschreibt er. Die Krux: Gerade Medizinjournalisten bringen aus seiner Erfahrung heraus für die journalistische und redaktionelle Arbeit, wie etwa Themenfindung und Relevanzüberprüfung, nur ungenügendes Verständnis auf. FISCHER hat beobachtet, dass es große Diskrepanzen gibt: “Ein journalistisches Stück ist keine wissenschaftliche Abhandlung”, sagt er und plädiert für eine solide journalistische Bildung mit fachlichem Hintergrund.

Beim Lufthansa-Bordmagazin darf Andreas Spaeth nicht kritisch sein
Der Luftfahrtjournalist ANDREAS SPAETH kommt mit dem Spagat zwischen Fachkenntnis und journalistischem Gespür seit Jahren gut zurecht. “Zum Glück gibt es in Deutschland fast niemanden, der genau das macht, was ich mache”, erklärt er. Für ihn ist es eine Selbstverständlichkeit, Themen herunterzubrechen. “Generell ist mir eine gute Verständlichkeit sehr wichtig”, betont der Journalist mit eigenem Pressebüro in Hamburg. Auch mit kritischen Themen hat er keinerlei Probleme, da er sich in seiner Kolumne SPAETHFOLGEN auf dem Branchenportal airliners.de ausleben darf. „Ich arbeite auch für Kundenmagazine wie das LUFTHANSA-Bordmagazin. Da darf ich überhaupt nicht kritisch sein. Richtig reinhauen kann ich in den SPAETHFOLGEN, die übrigens in der Branche gut ankommen”, beschreibt er.

Fachliche Spezialisierung ist für freie Fachjournalisten sinnvoll
Diesen Luxus können sich jedoch längst nicht alle Fachjournalisten leisten. Schon gar nicht, wenn der Markt übersät und das Themengebiet in den Sendeformaten nicht flexibel gestaltbar ist. Letztendlich ergab die Recherche bei allen freien Fachjournalisten jedoch, dass die fachliche Spezialisierung sinnvoll ist. Im Unterschied zwischen der Fach- und Publikumspresse könne man die Fachpresse immer noch als einen fundierten Lieferanten von Hintergrundinformationen bezeichnen. Die Fachpresse sei sehr speziell und viel professioneller geworden, beobachtet CARSTEN HENNIG und gibt den Fachkollegen den Rat, sich genau zu überlegen, welcher Redaktion sie ein Thema anbieten. Das Problem “Themenklau” kennt auch er, weshalb HENNIG bei eigenen Themenvorschlägen nur mit einer passwortgeschützten PDF-Datei an die Redaktionen herantritt.

Fachjournalisten haben meist einen Informationsvorsprung FERDINAND OBERER spricht auch von “Futterneid”. Er habe erlebt, dass ihn Redakteure demütigten. “Es gibt angestellte Journalisten, die Themen von fachlich fundierten freien Kollegen nicht annehmen”, sagt er. Auch die Osteuropa-Expertin Dr. BIRGIT WETZEL erklärt, dass nur einige Redaktionen ihre Themen aufnehmen. “Ich habe durch meine vielen Reisen einen großen Informationsvorsprung. Wenn ich mit den Redaktionen darüber ins Gespräch kommen möchte, erkennen diese meist die Bedeutung von Ereignissen nicht in ihrer Tragweite”, beklagt sie. Sie beobachte, dass die Redaktionen dünn besetzt sind, nicht immer auf die richtigen Fachkollegen zurückgreifen und an einigen Themen vorbeigingen. Sie sagt deshalb: “Die Presse kastriert sich um fachkundige Beiträge”.