Jubiläum an der Küste

Keine Seltenheit beim Schleswig-Holstein Gourmet Festival ist die Auster “Sylter Royal”. Copyright: TASH / Jens Koenig

SYLT Es ist wohl eines der bekanntesten Gourmetfestival in diesem Land. Auch wenn das Schleswig-Holstein Gourmet Festival inzwischen zahlreiche Nachahmer gefunden hat, gilt es dennoch als das traditionsreichste und aufgrund seiner prominenten Gastköche ebenso angesehenste kulinarische Event.

In diesem Jahr feiert das Festival seinen 25. Geburtstag. Immer noch wird es von den Mitgliedern der Kooperation Gastliches Wikingland e.V. ausgerichtet. Am 11. September feiert der Verein mit seinen Gästen nunmehr dort den Auftakt der Veranstaltung, wo sie im November 1987 begann: Im Waldschlösschen Schleswig. Damals stand Jörg Müller bei Familie Behmer als Gastkoch am Herd. Der gebürtige Freiburger leistete Pionierarbeit für die deutsche Spitzenküche. 1977 bereits mit 2 Sternen ausgezeichnet, kocht Müller seit 1983 grandios auf Sylt. Sein Fazit: „Heute ist die Küche des Nordens leichter und offen für neue Einflüsse”.

Harald Wohlfahrt hält dem Festival seit 25 Jahren die Treue.
Foto: Hotel Traube Tonbach

Zur Auftaktgala am 11. September 2011 entführen mit Müller der weltweit unter den Top 50 agierende Koch Harald Wohlfahrt (Baiersbronn) zusammen mit Lutz Niemann (Timmendorfer Strand) und Dänemarks Senkrechtstarter Thorsten Schmidt (Århus) die 200 Gäste zu einem spannenden Streifzug durch Europas angesagte Küchen. Trüffelpapst Ralf Bos wird erstmals durch das Festmenü mit anschließender Dessert-Party führen. Bis in den März 2012 wird es rund 32 erstklassige Gourmet-Events mit international angesehenen Top-Köchen in den Mitgliedshäusern der Vereinigung geben. Das Programm finden Sie hier.



Der Kulturliebhaber

vgwortZELL AM SEE Seine individuell geführten Häuser in Mitteleuropa pflegen die österreichische Hotelkultur. Dem promovierten Betriebswirt Wilfried Holleis ist es wichtig, seinen Gästen zu dienen. Nebenher schaut er sich aber auch immer wieder nach neuen Objekten um. Er nimmt sich die Zeit, passende Orte zu finden. Meist haben sie etwas mit seinem Leben zu tun.

Wilfried Holleis ist Österreichs Hotelier des Jahres Foto: Liebig-Braunholz

Nach dem Krieg in Jugoslawien war Wilfried Holleis einer der ersten Österreicher, die sich in Kroatien engagierten. Er kannte die Adriaküste von Urlauben mit seinen Eltern. Dass er Jahre später mit einem roten Teppich empfangen wurde, motivierte ihn. Holleis kaufte 51 Prozent einer desolaten Hotelanlage auf der Katarina-Insel in der Bucht von Rovinj und investierte 5 Mio. Euro. Heute spricht er von einem gescheiterten kroatischen Tourismus, an dem sich Hintermänner bereichern, die sich im Dickicht der Privatisierung des einstigen sozialistischen Landes auskannten. Ein bisschen Wehmut schwingt dabei mit: Holleis hat nach langem Rechtsstreit seine Mehrheitsanteile ziemlich verzweifelt wieder verkauft.

Mit seinem zweiten kroatischen Standort in Opatija hingegen ist er zufrieden, auch wenn er bemängelt, dass sich der Ort zu einer touristischen Strategie bekennen müsste. Doch die Probleme kennt er auch aus seinem Heimatort Zell am See, wo er seit 1996 das Grand Hotel betreibt und seine Eltern seit mehr als 40 Jahren das Hotel Salzburgerhof. Familie Holleis hat mit den Häusern Erfolgsgeschichte geschrieben. Beides sind erste Adressen am Platz. Die konsequente Qualität lässt keine Zweifel aufkommen, ob irgendein Objekt nicht durchdacht wurde. Den Stil bestimmt die Familie mit engagierten Architekten und Ingenieuren. Daraus entsteht das typische Holleis-Design in österreichischer Perfektion. „Wir sehen das Hotel als Kulturform. Unsere Häuser werden in der traditionell europäischen Hotelarchitektur erbaut“, erklärt er.

Sich selbst sieht Wilfried Holleis gern als Stratege. Er hat nach seinem Studium in Innsbruck, St. Gallen, Harvard und Boston eine wissenschaftliche Karriere an den Nagel gehängt, um in die Hotellerie einzusteigen. Druck von den Eltern gab es nie. Er selbst wollte dort hin zurück, wo er aufgewachsen war. Hier agiert er gern im Hintergrund und ist meist auf dem Sprung, nimmt sich immer wieder Zeit für seine Familie oder gönnt sich eine Auszeit beim Segeln. „Mit Terminen ist es immer schwierig bei meinem Sohn“, sagt seine Mutter Gisela. In vereinbarten Gesprächen kommt der Sohn dann gern auf das große Ganze zurück. Die Kleinigkeiten erledigen ohnehin seine Angestellten. Er darf sich eines großen Rückhalts sicher sein. Personalprobleme gibt es nicht. Die Führungskräfte halten der Familie lange Jahre die Treue.

So kann sich der 50-Jährige bei seinen 14-tägigen Rundreisen durch die Hotels der Holleis-Gruppe auf das Wesentliche konzentrieren. Er wirkt entspannt, wenn er von seiner Direktorin Martina Riedl im Miramar in Opatija spricht. „Da muss ich mir keine Sorgen machen“, sagt er. Die Auslastung – weit mehr als 90 Prozent in dieser Saison – stellt ihn zufrieden und bestätigt seine Ansicht, dass es einen Trend hin zum Luxus gibt. „Wir positionieren uns bewusst im gehobenen Segment. Unsere Gäste schätzen es, Luxus serviert zu bekommen. Das wollen wir aufrechterhalten“, sagt er.

Ebenso etabliert er sich mit der Rudolfshütte in der Salzburger Weißsee-Gletscherwelt aber auch im Niedrigpreis-Segment. Im 3-Sterne-Berghotel wohnen Kinder bis 12 Jahre im Zimmer der Eltern gratis und dürfen generell kostenfrei Ski laufen. Als vierfacher Vater mit drei kleinen Kindern kann er gut verstehen, dass Familien darauf anspringen. So entstehen an vielen Orten kleine Holleis-Welten. Rund 100 Mio. Euro hat Wilfried Holleis in den vergangenen Jahren bereits investiert. Und er ist noch nicht am Ziel: Der Hotelier philosophiert gern über die Zukunft und hat dabei stets ein Bild vor Augen, das in der Harmonie des Daseins ruht. Seine Gäste sollen zu einem ausgewogenen Lebensgefühl finden. „Ein Hotel ist mehr als eine Herberge. Wir wollen das lange Leben fördern“, sagt er. Sein neues Projekt am Gardasee wird nach diesen Grundsätzen erbaut. Eine Hotelanlage auf 3 Hektar Fläche mit Weingärten, integrierter Landwirtschaft und einem Well-Aging-Bereich entsteht gerade.

Wilfried Holleis ist Hotelier des Jahres 2011 im Nachbarland Österreich. Im Rahmen eines feierlichen Galaabends im Badener Congress-Casino kürte der Manstein-Verlag den Salzburger mit diesem Titel. Holleis überzeugte die Jury mit seiner stetigen und wirtschaftlich fundierten Expansion der Holleis Hotels im In- und Ausland.

Ende 2009 erschien mein Beitrag über ihn in der Allgemeinen Hotel- und Gastronomiezeitung.