Sind denn alle Joghurt?

WASSERBURG AM INN Es gibt diese Wochen, an deren Ende sich Journalisten fragen, durch wie viel Informationsmüll sie sich in den letzten 5 Tagen wieder wühlen mussten. Diejenigen, die jetzt denken, Journalisten sind ohnehin überflüssig geworden, können sich sicher schwer vorstellen, wie viel Presseinformationen nach wie vor täglich durch das “Breite Band” des Internets fließen. Nicht jeder meint, durch die sozialen Medien selbst zum Journalisten geworden zu sein. Das hat Vor- und Nachteile.

Eigentlich ist es leichter geworden, die Tricks gewiefter PR-Strategen zu durchschauen. Denn es ist so einfach heute, Pressemeldungen auf etwaigen Portalen ausfindig zu machen, die dann auch noch in sozialen Medien anmoderiert werden – nach dem Motto: Öffentlichkeit beschaffen wir uns mit einem einzigen Klick. Für einen Journalisten ist das Thema damit im Übrigen schnell erledigt. Doch auf der anderen Seite gibt es auch die nicht bereits online gestellten Meldungen, die eben nur an Journalisten verschickt werden. Bei ihnen habe ich allerdings das Gefühl, dass sie immer eintöniger werden, sodass mich die Meldung der Privatmolkerei Bauer nur kopfschüttelnd zurück ließ.


Produktfoto: Privatmolkerei Bauer

Die Frage nach dem “Was soll ein Journalist mit diesen Informationen anfangen?” – selbst wenn er sich unter anderem auch mit Lebensmittelthemen beschäftigt, war bei diesem Beispiel unumgänglich. So heißt es dort “Wenn in den Fenstern wieder Leuchtsterne in stimmungsvollem Glanz erstrahlen und geschmückte Tannenbäume die Wohnzimmer und Vorgärten erhellen, ist die schönste Zeit des Jahres angebrochen: die Adventszeit. Wer genau hinschaut sieht, dass es auch im Kühlregal weihnachtlich wird: Die Privatmolkerei Bauer schmückt im Dezember den großen Bauer Kirsche und sorgt für festliches Ambiente. Leuchtend rote Christbaumkugeln, grüne Tannenzweige und ein goldenes Namensschildchen zieren den 250-Gramm-Becher und garantieren einen stimmungsvollen Einkauf.”

Diese werbende, blumige und einlullende Sprache wie “Nicht nur wegen seiner weihnachtlichen Optik ist der große Bauer Kirsche nach dem reichhaltigen Festtagsmahl die richtige Wahl. Nach dem üppigen Essen stellt er die ideale Erfrischung dar und sorgt für einen fruchtigen Ausklang der besinnlichen Weihnachtstage” hat nichts mit einer Presseinformation, wie von der diese Pressemail verschickenden Werbeagentur angekündigt, zu tun und erklärt, warum Journalisten von derartigen Meldungen oft genervt sind.

Doch mit Blick auf das kürzlich erschienene PR-Barometer der dpa-Tochter news aktuell bleibt Agenturen gar nichts anderes übrig, als sich mit den Anforderungen an verwertbare Informationen auseinanderzusetzen. Gerade im Zeitalter der Jedermann-Kommunikation sollte es doch für ein im Jahre 1887 gegründetes Traditionsunternehmen wie die Privatmolkerei Bauer möglich sein, lebendige Geschichten zu erzählen, anstatt nur reine Produktinformationen zu verschicken.