Gastgewerbe in der Pflicht

vg wortBERLIN Es ist kein Geheimnis, dass gerade im Hotel- und Gaststättengewerbe eine Vielzahl an Lebensmitteln weggeworfen werden. Etwa 17 Prozent der Lebensmittelabfälle in Deutschland entstehen bei Großverbrauchern wie Gaststätten, Kantinen, Mensen und Kliniken, wie auch eine Studie gerade ermittelt hat. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz nimmt nun diese Branche in die Pflicht und will im Rahmen der Kampagne Zu gut für die Tonne Strategien gegen die Verschwendung entwickeln. Am kommenden Mittwoch ist Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner zu Gast beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband in Berlin. Gemeinsam mit der Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges will sie vor der geladenen Presse erläutern, worauf Gastronomen und Gäste achten sollten.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner Foto: Reitz, BMELV

Zweifelsohne ein Schritt in die Richtung, wenngleich dieser auch einhergehen muss mit der Reduzierung von Vorschriften, die gerade im Gastgewerbe eingehalten werden müssen und dies vielleicht sogar zurecht, wie auch die Ministerin weiß. Denn in vielen Vorschriften spielen Punkte wie etwa die Hygiene, Kühlketten oder Lagerkapazitäten eine Rolle. Wer sie nicht einhält, gelangt irgendwann an einen Lebensmittelkontrolleur, der das Gasthaus im schlimmsten Fall gleich schließen kann. Dass diese Berufsgruppe nicht gerade beliebt ist, steht außer Frage. Dennoch sorgen sie für einen überwiegend hohen Standard im deutschen Gastgewerbe, der bei allem Respekt vor diesem wichtigen Thema nicht aufs Spiel gesetzt werden sollte, beispielsweise wenn etwaige Lockerungen der Vorschriften bei einigen Betrieben den Impuls hervorrufen, die Sache nicht mehr ganz so ernst nehmen zu müssen.

Es bleibt deshalb zu hoffen, dass das gewünschte Umdenken zunächst bei den Entscheidern einsetzt, die Handlungsempfehlungen aus der Studie annehmen sollten. Eine Idee dazu: Der Kasseler Kochclub veranstaltet jedes Jahr den Kochwettbewerb um den Innocenti Pokal. Zum Abschlussevent gibt es ein mehrgängiges Menü für die geladenen Gäste. Die Wettbewerbsteilnehmer bereiten jedoch stets mehr Gerichte vor, als schlussendlich an die Tische der Gäste gelangen. Das bisschen mehr an Speisen ging in der Vergangenheit bereits mehrere Male an die Kasseler Tafel – ein Verein, der pro Woche mehr als 8 Tonnen Lebensmittel an einen Teil der rund 3300 Kunden und weitere Hilfsorganisationen verteilt.

Das Noma schließt zur Olympiade 2012

Noma,  Denmark Das Noma wird renoviert – Redzipi kocht in London Foto: Flickr

LONDON/KOPENHAGEN René Redzipi kocht mit seinem preisgekrönten Team (seit 2010 drei Mal bestes Restaurant der Welt) während der Olympischen Spiele in London. In der Zeit vom 28. Juli bis zum 6. August wird der Zwei-Sterne-Koch im Fünf-Sterne-Luxus-Hotel Claridge’s im Londoner Stadtteil Mayfair am Herd stehen. Das Noma in Kopenhagen wird in dieser Zeit renoviert und ist vom 20. Juli bis zum 15. August geschlossen.

Es ist das erste Mal, dass die gesamte Mannschaft im Ausland arbeitet. „Wir freuen uns alle sehr auf dieses kulinarische Abenteuer“, sagt Redzipi. Das Fünf-Gänge-Menü wird 195 Pfund kosten. Redzipi wird an allen zehn Tagen des Projektes „A Taste of Noma at Claridge’s“ selbst in der Küche zu erleben sein.

ESC lässt Hotelpreise explodieren

Roman Lob tritt für Deutschland mit dem Titel Standing Still an

BAKU Auf europäischer Ebene ist es das musikalische Ereignis des Jahres: Der Eurovision Song Contest. In diesem Jahr ist Baku, die Hauptstadt Aserbaidschans mit rund zwei Millionen Einwohnern Austragungsort – zur Freude vieler Hotels. Denn die heben in Zeiten wie diesen bekanntlich ihre Durchschnittsraten an. Der Tourist ist dem Markt ausgeliefert.

Metasuchmaschinen wie swoodoo spucken dann meist horrende Preise für eine Übernachtung aus. Die Auswertung von über 100 Anbietern zwischen dem 22. und 27. Mai ergab im Vergleich zu den Tarifen in den Wochen vor und nach dem Groß-Event: Überteuerte Hotelpreise für durchschnittlich 341 Euro pro Nacht für ein Zimmer, die außerhalb dieser Zeit bei rund 140 Euro liegen.

baku sunrise Baku liegt im Südkaukasus, am Kaspischen Meer Foto: Flickr

Ganz oben auf der Preisskala steht das 5-Sterne-Hotel Crown Hotel, das während des Song Contest stolze 920 Euro für ein Zimmer pro Nacht verlangt. Mit einem Durchschnittspreis in den Wochen vor und nach dem Event von rund 150 Euro pro Nacht und Zimmer bezahlen Gäste somit das Sechsfache des üblichen Tarifs. „Die Hotel-Infrastruktur in Baku ist nicht mit Mittel- und Westeuropa vergleichbar“, sagt Dr. Christian Saller, CEO von swoodoo. „Zwar wurde viel investiert, doch einige Hotelprojekte konnten nicht rechtzeitig fertig gestellt werden. Der Eurovision Song Contest mit seinem extrem hohen Bedarf an Hotelzimmern führt daher zu diesen Preissteigerungen.“ Sehr zum Leidwesen derjenigen, die jetzt ein Zimmer benötigen.