Genusswanderungen: Protagonist wandert mit

Es gibt diese Regionen in Deutschland, die vornehmlich von der Vermarktung ihrer Landschaft leben. Doch der pure Hinweis auf die wundersame Natur genügt längst nicht mehr, um Gäste damit anzulocken. Während die heutigen Senioren noch vom schönen Schwarzwald, Allgäu, Harz, Erzgebirge oder Bayerischen Wald träumten, zieht es deren Kinder und bald auch die Enkel vorrangig sicher nicht in die näheren deutschen Urlaubsziele – zumindest nicht unbedingt für einen längeren Ferienaufenthalt. Deshalb lassen sich die Regionen, meist in Zusammenarbeit mit den Hotels und deren Köchen gern ein wenig mehr einfallen: Der Genuss-Aufenthalt oder die Genuss-Wanderung sind in.

Doch diese Ideen müssen auch gelebt werden. Ein Arrangement, dass den puren Genuss verspricht, muss ausgefüllt sein. Der Koch sollte überzeugen können, seine Region entsprechend vermarkten. Ich habe beide Seiten kennen gelernt: Entweder hatte die Tourismusorganisation mühsam einen Protagonisten gefunden, der sich bereit erklärte, diesen Job zu übernehmen und ihn dementsprechend engagiert ausübte, oder aber der Koch war derart gut in Form, dass er eher für sich und sein Haus warb als für die Region. Ideal ist es deshalb, wenn die für eine Vermarktung geeigneten Ideen wie von selbst entstehen. Dann spürt auch der Gast, was diese Region ausmacht.

Das Beispiel aus dem Schwarzwald, genauer gesagt aus der Gemeinde Baiersbronn, scheint mir diesbezüglich sehr authentisch. In dieser Gourmethochburg, in der ein Sternerestaurant neben dem anderen für sich selbst spricht, vermutet der Gast doch nicht etwa einen Wanderkoch wie Friedrich Klumpp. Dieser lässt sich auf der Suche nach Zutaten für seine Küche von Gästen begleiten und kredenzt ihnen unterwegs sogar ein Fünf-Gänge-Menü mit frisch gesammelten Zutaten. Der WDR hat dazu einen Beitrag produziert und ein paar begeisterte Gäste nach ihren Eindrücken befragt.

Eine nette Idee wie ich finde und irgendwie passt das in diese ländliche Region im nördlichen Schwarzwald, mit der gerade die Gourmetreisenden ansonsten doch eher die Schwarzwaldstube und Harald Wohlfahrt in Verbindung bringen und sich dort vom “Virtuosen der Aromen” verwöhnen lassen. Friedrich Klumpp begeistert seine Gäste dann schon eher mit Vogelbeeren oder Tannennadeln.

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