Jetzt reden wir wieder über Qualität

Wer als Journalist in den letzten Jahren erfahren hat, wie einige Verlage mit ihrer wichtigsten Ressource umgegangen sind, wird kaum glauben wollen, welche Diskussionen auf einmal aufkommen. Viele redliche Kollegen, die diesen Beruf mit großer Leidenschaft ausgeübt haben, sind beinahe verzweifelt. Andere wiederum haben ertragen, wie dieser Beruf mit Füßen getreten wurde und sich von den Verlagen aufdiktieren lassen, wie das Geschäft zu laufen hat.

Einerseits sind die Redaktionen an guten Stories interessiert, andererseits wollen sie diese nicht bezahlen. Einige Kollegen mussten auch mit ansehen, wie ihnen Story-Ideen einfach gestohlen wurden, weil es billiger ist, wenn ein Redakteur die Geschichte schreibt. Der wird sowieso jeden Monat bezahlt und ein freier Autor muss nicht unbedingt leben können. Er verrichtet seinen Job schließlich nur zum Spaß.

Nicht ohne Grund haben sich die Freischreiber – ein Verein ausschließlich für freie Journalisten – in Hamburg gegründet, um auf die miserablen Zustände aufmerksam zu machen. Auch die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in ver.di macht sich stark für faire Honorare. Denn es ist mittlerweile kein Geheimnis mehr, dass Journalisten für ihre Leidenschaft zum Beruf von den Verlagen gern ausgenutzt werden. Wer ein Buch reszensiert, bekommt schließlich ein Belegexemplar und braucht nicht etwa noch ein Honorar – dies ist teilweise Praxis. Das an einigen Tageszeitungen sittenwidrige Honorare gezahlt werden und deshalb dort bald keine Journalisten mehr, sondern Hobbyschreiber oder PR-Fachleute arbeiten, ist ebenfalls bekannt. Dass diese jedoch keine journalistischen Text abliefern können, müsste klar sein. Und das am Ende dieses Dilemmas unsere Demokratie auf dem Spiel steht, weil die Rezipienten durch die Informationen in den Medien nicht informierter sondern dümmer werden, steht außer Frage.

Der Aufstand macht Mut

Schön, wenn heute nun auch auf dem Verbandstag des Deutschen Journalisten-Verbandes dieses Thema auf der Tagesordnung steht. Die erste Meldung zur Tagung liest sich wie ein Weihnachtsgeschenk für eine gebeutelte Zunft:

DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken hat am Nachmittag in Essen den Verbandstag des Deutschen Journalisten-Verbandes 2010 eröffnet. Fast 300 Delegierte der mit 38.000 Mitgliedern größten deutschen Journalistengewerkschaft werden sich bis zum 10. November mit Anträgen und Resolutionen zur Zukunft des Journalismus befassen. NRW-Medienministerin Angelica Schwall-Düren betonte in ihrem Grußwort vor den DJV-Delegierten, dass die journalistische Arbeit dringend mehr Wertschätzung finden müsse. Sie kritisierte, dass der DJV gezwungen sei, sich mit Verlegerforderungen nach Einkommenseinbußen auseinandersetzen zu müssen. Die Einsparungen in den Redaktionen seien an ihre Grenzen gestoßen. Für die NRW-Landesregierung bot sie an, durch geänderte Rahmenbedingungen den Verlagen bei der Umwandlung in Medienhäuser zu helfen. Medienübergreifend stehe fest: „Die Zukunft des Journalismus ist nur durch Qualität zu gewährleisten“, sagte Schwall-Düren.