Der trügerische Facebook-Effekt

vgwortKASSEL Das Wetter ist schön. Der Gastronom wünscht sich einen regen Gästezulauf. Doch das Restaurant ist nur mäßig besetzt. „Das müssen wir bei Facebook posten. Wir verkaufen unseren Kaffee jetzt bei diesem Sonnenschein für 1 Euro„, sagt die Servicemitarbeiterin. „Warum?“, frage ich, „dieser Preis passt doch überhaupt nicht zu ihrem Image“. Man müsse doch aber einfach mal etwas tun, wird mir entgegnet.

Keine Seltenheit, derartige Gespräche. Facebook ist in aller Munde. Jeder will partizipieren, aber nur Wenige wissen wie. Experimente, Flickschusterei, gepostetes Halbwissen und viel Blödelei sind an der Tagesordnung. Warum auch nicht?: Facebook ist eine Spielwiese zum Teilen. Mark Zuckerberg ist 2004 angetreten, um der Welt eine Plattform zu bieten, durch die Menschen schneller zueinander finden und Informationen untereinander austauschen können. Dann kam der Hype. Jetzt sind es rund 600 Millionen Nutzer, die sich täglich in den Bann ziehen lassen. Kein Wunder, dass es nun den Wunsch gibt, davon zu profitieren.

Doch man muss es auch können. Dafür gibt es Berater und Experten, wenn ein Gastronom oder Hotelier das Marketingverständnis nicht selbst aufbringen kann. Nun soll dieser Beitrag auf keinen Fall eine Lobhudelei auf Marketingberater sein, sondern vielmehr einen Blick schärfen. Nicht jeden Hype muss man mitmachen, wenn man ihn noch nicht einmal verstanden hat. Neue Ideen, die ein Geschäft ankurbeln könnten, müssen immer noch im richtigen Verhältnis zu anderen Aktivitäten – am besten zu einem ausgefeilten Marketing-Mix stehen. Daran hat sich auch durch Facebook nichts geändert.

Es scheint aber, dass gerade im Marketing jeder mitmischen kann bzw. will und deshalb meint es zu können. Ein Koch, der seinen Beruf gelernt hat und ihn mit Leidenschaft ausübt ist auch nicht zu vergleichen mit einem Hobbykoch, weil dieser beispielsweise nicht täglich einer Kalkulation unterworfen ist, die ihn zwingt nach einem entsprechenden Plan einzukaufen. Das heißt, das Menü des Hobbykochs muss sich am Ende nicht etwa rechnen. Es muss auch nicht den kritischen Blicken eines Testers genügen, der über den Koch berichtet. Letztendlich betreibt der Koch sein Handwerk professionell so wie es auch viele Kommunikationsexperten in dieser Republik tun. Sie sehen allein schon den Begriff Social Media unter einem ganz anderen Aspekt als beispielsweise ein Koch oder Gastronom.

In der Allgemeinen Hotel- und Gastronomiezeitung (AHGZ) vom 5. März wurde über die Herausforderungen der neuen Marketingchancen berichtet. Der stellvertretende Geschäftsführer des Tourismusverbandes Allgäu/Bayerisch-Schwaben, Rolf Dehner, verdeutlichte in dem Beitrag, dass er das Internet lediglich als eine Ergänzung und Bereicherung, keinesfalls aber als Ersatz für klassisches Marketing betrachte. Genau das ist der Punkt: Der Mix muss nach wie vor stimmen und Facebook sollte nicht dazu verleiten, unüberlegte Schnellschüsse abzufeuern, die letztendlich nur die Hilflosigkeit mit dem Social Web verdeutlichen.

Interessant ist auch immer der Blick auf die Betreiber von Websites, die auf Facebook eine Fanpage anlegen. Mit einem „Gefällt mir“-Klick erhalten die Fans regelmäßig Nachrichten aus der Redaktionsschmiede des Blog-Teams. Im Falle des Hotel-Blog können es dann Nachrichten der Travel Charme Hotels & Resorts AG mit Sitz in Zürich sein, die vielleicht nicht gerade eine unabhängige Berichterstattung über Hotels ermöglichen können, auch wenn die Initiatoren des Weblogs großen Wert auf redaktionelle Unabhängigkeit legen.

Die Unübersichtlichkeit auf Facebook trägt nicht gerade dazu bei, dass der Informationsfluss immer einen Nutzen hat. Oft ist ein Klick der Schritt hin zu Datenmüll und permanenter Belagerung. Das gleiche gilt für Gruppenmitgliedschaften. Es lohnt sich genauer hinzuschauen und vielleicht auch wieder auszutreten. Wenn die Moderatoren beispielsweise permanent nur Halbwissen verkünden oder ungeprüfte Links einstellen, die das Gruppenmitglied zwingen durch den Informationsdschungel einer Website zu wildern, um dann festzustellen, dass die Informationen mit dem eigenen Interesse überhaupt nichts zu tun haben. Das Linkeinstellende Gruppenmitglied geht schließlich auch nur von sich aus und betrachtet zunächst einmal nicht die Bedürfnisse der anderen Mitglieder. Von einer zielgruppengerechten Betrachtung, wie es beispielsweise in klassischen Medien der Fall ist, kann in diesen Gruppen selten die Rede sein.

Genau darin liegt der trügerische Facebook-Effekt begründet. Es geht um Selbstdarstellung und -überschätzung und um das Teilen von Informationen, die einer Marketingstrategie nicht immer weiterhelfen. Oftmals ermöglicht der Dschungel gar die wahren Interessen zu übersehen. Für dieses Blog beispielsweise sollte die Plattform genutzt werden, um Stimmen aus der Hotellerie für einen Blogbeitrag aus erster Hand zu sammeln. Ein journalistischer Ansatz, dessen Ergebnis verheerend war und verdeutlichte, dass überhaupt kein Interesse besteht, in einen ernsthaften Kontakt untereinander zu treten. Vielleicht verdeutlichte das Beispiel aber auch den Zustand viele Nutzer, die völlig überfordert sind zwischen Sinn und Unsinn zu unterscheiden.

Letztendlich bleibt die Erkenntnis, dass Facebook in der Tat eine große Spielwiese ist, die sehr viel Fingerspitzengefühl abverlangt. Aber Facebook allein ist nicht Social Media. Trügerisch ist vor allem die Tatsache, dass gerade Hotels und Destinationen auf Kongressen und Marketingveranstaltungen aufgerufen werden, unbedingt dabei zu sein. Nach dem Aufruf stehen die Verantwortlichen meist allein da und schustern sich die Umsetzung selbst zurecht. Dabei glauben viele, dass es mit Facebook getan ist und ein Blog mal schnell bestückt werden kann. „Wir stellen ein paar Fotos rein und schreiben etwas dazu“, sagte einst ein Hotelier. Ein anderer empfahl eine Gutscheinaktion, die auf Facebook der absolute Renner sei. „Wir haben so viele Klicks wie nie zuvor“, begeisterte er sich. Obendrein war er noch stolz darauf, dass die sogenannten „Klicker“ den Gutschein wahrscheinlich gar nicht einlösen werden, weil er so clever war und diesen nur mit 10 Euro bestückte. „Die meisten hängen ihn an die Pinnwand und vergessen diesen winzigen Betrag einzulösen“, freute er sich.

Generell ist gegen derartige Füchse nichts einzuwenden, wenn sie nicht den Markt überschwemmen würden. Es ist eben nichts besonderes, auf Facebook mal eben eine Seite anzuklicken. Es ist auch nichts Außergewöhnliches, einen Gutschein dafür zu erhalten. Die Tricks sind bekannt und begeistern am Ende wahrscheinlich nicht einmal den, der geklickt hat. Von mittel- oder langfristiger Strategie des Hoteliers kann auch nicht die Rede sein, eher von einer kurzfristigen. Ich wage jedoch zu bezweifeln, dass dies überhaupt eine Strategie ist.

Es fehlt an Kreativität: Wo früher ein Gewinnspiel mit Rückantwortkarte zum klassischen Adressen sammeln verschickt wurde, zählt heute der Klick. Wo früher die Lokalzeitung angerufen wurde, wird heute geblogt. Und das ist auch gut so und sollte sich auf authentische Art und Weise vermehren. Die Ausrede „Ich weiß nicht was ich schreiben soll, zählt nicht“. Denn es gibt sie, die Geschichten, die erzählt werden können und die Gäste von morgen begeistern. Es gibt auch „die Lösung“ für jedes einzelne Hotel, wenn sie nicht übereilt sondern mit Bedacht gesucht und gefunden wird. Und es gibt mittlerweile gut gemachte Blogs, die dem klassischen Journalismus auf die Sprünge helfen. In der Branche wird verstärkt darüber diskutiert, weil diese Blogs Themen aufgreifen, für die nicht erst die Druckmaschine angeschmissen werden kann oder muss. Mit ihnen werden Hoteliers oder Tourismusdestinationen, die einen eigenen Blog betreiben, bald konkurrieren. Umso wichtiger ist eben auch hier die Professionalisierung. Denn am Ende gilt: Nur wer Social Media richtig nutzt, kann davon profitieren.

Weintourismus: Die genussvolle Art zu reisen

SAUMUR/LOIRE Das als UNESCO-Weltkulturerbe klassifizierte Tal der Loire, die drittgrößte französische AOC-Region (Appellations d’Origine Contrõlée – eine Vorschrift, die die Herkunft von Wein garantiert, indem sie bestimmte Anbaugebiete festlegt) zieht viele Touristen und Weinliebhaber an. Allein in und um Saumur entdecken jährlich eine halbe Million Besucher die Schönheiten dieser Region: legendäre Schlösser, unterirdische Grotten und Höhlen (die Troglodyten), die weltberühmte Reitschule Cadre Noir und nicht zuletzt die zahlreichen Weinkeller, die sich gegenseitig mit Ideen überbieten, um ihren Gästen einen unvergesslichen Besuch zu ermöglichen.

Domaine National de Chambord - Reflet dans les eaux

Schloss Chambord – das das größte Schloss der Loireregion Foto: Flickr

Der Weinbau an der Loire reicht bis zu den Römern zurück, die erste Weinberge im Pays Nantais anlegten. Heute ist die Loire Frankreichs Weißwein-Region Nummer eins. Entlang des über 1.000 Kilometer langen Flusses reiht sich eine Weinbauregion an die andere und viele touristische Websites wie diese empfehlen Touren durch die Regionen. Insgesamt ist die Loire mit ihren 7.000 Weinbaubetrieben das größte Anbaugebiet für Weißwein in Frankreich sowie das zweitgrößte Anbaugebiet für AOC-Roséweine und das drittgrößte Anbaugebiet für AOC-Weine. Nur in der Champagne wird mehr Schaumwein hergestellt.

„Für mich sind Weine der Loire die wichtigsten Weine in der Gastronomie.“ Olivier Poussier (Sommelier-Weltmeister 2000) Foto: InterLoire

Aufgrund der enormen Länge des Flusses und der damit verbundenen verschiedenen Landschaften, geologischen Formationen und Klimata ist die Loire die einzige Region in Frankreich, in der Wein in allen möglichen Facetten produziert wird. Folgt man dem Flusslauf der Loire von der Quelle in der Auvergne bis zur Mündung in den Atlantik in der Bretagne, so befinden sich die bekannteren Lagen im so genannten Centre-Loire rund um Sancerre: Quincy, Menetou-Salon, Reuilly, Coteaux du Giennois, Châteaumeillant und natürlich Pouilly Fumé. Weiter flussabwärts fließt die Loire durch große alte Städte wie Orléans, Blois, Tours und Angers. Das Klima wird wärmer, die Böden reichhaltiger – und damit ändern sich auch die Stilistik der Weine und die angebauten Rebsorten. Chenin Blanc, der oft mit Riesling verglichen wird, findet hier seine schönste und finessenreichste Ausprägung. In den Lagen wie Anjou Blanc, Saumur Blanc, Savennières, Bonnezeaux, Quarts de Chaume und Coteaux du Layon zeigt der Chenin Blanc, warum er dem Riesling ebenbürtig ist. Die Schaumweine, die zum Beispiel in der AOC Vouvray aus Chenin Blanc entstehen, gehören zu den eigenständigsten und differenziertesten Frankreichs.

Je näher die Loire dem Atlantik zufließt, desto mehr dominieren Rebsorten, die perfekt mit Austern und Fisch harmonieren: der Melon de Bourgogne, besser bekannt unter dem Namen Muscadet und die Folle Blanche. Trotz ihrer großen Bandbreite vereinen die Weine von der Loire verschiedene typische Charakteristika in sich: Das milde und kühlere Klima sorgt dafür, dass die Weine immer – unabhängig vom Reifegrad – eine erfrischende Säure haben, die gut mit der Frucht und dem Alkoholgehalt der Weine harmoniert.

Viele Sommeliers schätzen die Weine der Loire, so auch Hendrik Thoma, der kürzlich in Frankfurt einen Abend mit dem Marktführer unter den „Fines Bulles de Loire“, also den Appellationen an der Loire, die nach der „Méthode traditionelle“ hochwertige Schaumweine wie dem Crémant de Loire produzieren – moderierte. Seit 1811 wird Schaumwein an der Loire hergestellt. Damals erkannte Jean-Baptiste Ackermann, ein Champagner-Produzent, dass in der Region Saumur optimale Bedingungen zur Schaumweinproduktion herrschen. Die lange Tradition an der Loire war der Grundstein für die Anerkennung der AOC Crémant de Loire, die aus einem Anforderungskatalog des französischen Weinbauinstituts INAO (Institut National des Appellations d’Origine) zur strengen Reglementierung der Crémant-Herstellung in Frankreich hervorging. Der Crémant de Loire wird in den Gebieten Anjou, Saumur und Touraine auf 1.600 Hektar produziert. Die durchschnittliche Jahresproduktion beträgt etwa 100.000 Hektoliter. Hauptrebsorten sind Chenin Blanc, Chardonnay und Cabernet Franc. Cabernet Sauvignon und Pineau d’Aunis dürfen bis zu 30 Prozent in der Cuvée enthalten sein. Die Weine müssen mindestens zwölf Monate in Rüttelpulten reifen.

Besessen vom Geschmack

Eric Lehr ist Chef Patissier im Hotel „Die Sonne Frankenberg“ mit dem Gourmetrestaurant Philipp Soldan. Nach nur einem Jahr wurde die Küchenleistung mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Daran hat auch die Patisserie ihren Anteil

Philipp Soldan
Der gebürtige Marburger Eric Lehr ist stolz auf das Erreichte. „Es passt alles sehr gut zwischen uns“, erklärt er die Zusammenarbeit mit dem Küchenchef Florian Hartmann. Dessen Kochstil wird als neue europäische Küche bezeichnet und konzentriert sich auf ein einzelnes Grundlebensmittel. Diese Intention treibt auch den Chef Patissier an, der es liebt aus regionalen Produkten das höchste Maß der Dinge heraus zu holen.

„Einen Püree stelle ich grundsätzlich selbst her. Mit der richtigen Würze ist es eine Sensation, weil das Grundprodukt seinen Geschmack voll entfalten kann“, sagt Eric Lehr. Aus dem Obst seines regionalen Lieferanten verarbeitet er Quitten, Pflaumen, Beeren, Mirabellen, Erdbeeren und Rhabarber. Sein Geschmacksgeheimnis entfaltet sich letztendlich aus dem zugegebenen Zucker, gemahlenen Zimtblüten und der Vanille. „Ich verwende ausschließlich Bourbon- oder Tahiti-Vanille und lasse die Zutaten im eigenen Saft schmoren“, erklärt er. Anschließend wird das Obst püriert und passiert, sodass es die besten Sorbets ergibt, wie der Konditor erklärt.

Erste Berührung mit der Sterneküche im Bel Etage in Marburg

Gelernt hat der 29-Jährige im Café-Konditorei Vetter in seiner Heimatstadt. Als er die Ausbildung abschloss, war er Innungsbester und auf dem besten Weg zu einer großen Karriere. Denn sehr früh erkannte der Verfechter der großen klassischen Patisserie, wie sie auch Robert Oppeneder lehrt, dass er eine Leidenschaft zum Beruf gemacht hatte. Zahlreiche Lehrgänge folgten ebenso wie der Wechsel in das 5 Sterne Superior Vila Vita Hotel Rosenpark, in dem er als Demi Chef die Patisserie für drei Restaurants mit verantwortete. Erstmals hatte er hier Berührung mit der Sterneküche im Restaurant Bel Etage mit Küchenchef Bernd Siener.

Dann der Bruch: Lehr zog es wieder in seinen Lehrbetrieb zurück, wo er zwei Jahre lang Backstubenleiter war. Anschließend wechselte er nochmal für fünf Jahre in die Großbäckerei Wagner, war hier Backstubenleiter dieses Marburger Betriebs mit acht Filialen. Jetzt hat er sich wieder seiner wahren Berufung zugewandt: Seit März 2009 ist er Chef Patissier im Hotel „Die Sonne Frankenberg“ mit 60 Zimmern und Suiten. Mitten auf dem Marktplatz erstrahlt das Haus seit geraumer Zeit in einem neuen Licht. Dr. Martin Viessmann, geschäftsführender Gesellschafter der Viessmann Group, international führender Hersteller von Heiztechnik-Systemen, hat das Hotel von Grund auf modernisieren lassen und einer neuen Zielgruppe geöffnet.

Patisserie mit 3 Commis Patissiers ausgestattet

Das Gourmetrestaurant war eines der großen Ziele bei der Entwicklung des Konzeptes. „Es ging dem Team primär um den Stern als ich mich hier bewarb“, erzählt Eric Lehr. Seine Patisserie ist mit 3 Commis Patissiers ausgestattet, um dem hohen Anspruch gerecht zu werden. Lehr kam die Herausforderung gelegen. Ist er doch besessen von einer für sich sprechenden Ästhetik des Produktes. Mit Farben oder Inszenierungen aus der molekularen Küche setzt er das sogenannte i-Tüpfelchen auf seine Kreationen.

Philipp Soldan
Dreierlei von der Quitte mit Champagner und Vanille, Haselnußbisquit und Hippe Fotos: Liebig-Braunholz

Seit Oktober 2009 ist das Gourmetrestaurant mit den 24 Sitzplätzen in der Besetzung Hartmann/Lehr eröffnet. Die beiden Kreativen haben drei Dessertvariationen auf die a la carte-Karte des Restaurants Philipp Soldan gesetzt und eine Variation für das Degustationsmenü kreiert. Die Gäste werden zudem mit Petits fours und hausgemachter Schokolade sowie Kaffeegebäck umworben. „Letztendlich kommen alle Torten, Waffeln, Sorbets, Desserts und Kuchenstückchen aus unserer Schmiede“, sagt Eric Lehr. Für die Produktion verwendet er auch Bioprodukte wie etwa frisch gemahlenes Roggen- und Dinkelmehl von regionalen Händlern. Die Kuvertüren sowie hausgemachten Pralinen werden ausschließlich mit Valhrona-Schokolade produziert. Lehr macht auch hierbei keine Kompromisse.

Erschienen in der Konditorei & Café Patisserie mit weiteren tollen Rezeptideen
Mehr Fotos in der Narrare-Diashow

ITB zeigt mehr als die „heile Urlaubswelt“

vgwortBERLIN Mit einem deutlichen Plus bei Einkäufern aus dem Ausland und den besten Ausstellerzahlen aller Zeiten schloss die 45. ITB Berlin (Internationale Tourismus-Börse) gestern ihre Tore. Dr. Christian Göke, Geschäftsführer der Messe Berlin, blickt auf eine erfolgreiche Veranstaltung zurück: „Die ITB Berlin zieht von Jahr zu Jahr mehr internationale Entscheider an. Mittlerweile kommen über 40 Prozent der Einkäufer aus dem Ausland. Wir gehen davon aus, dass die Aussteller ein Volumen von mehr als sechs Milliarden verhandelt haben.“

Begehrt: Hallen mit deutschen Reisezielen Foto: Liebig-Braunholz

11.163 Unternehmen aus 188 Ländern (2010: 11.127 Unternehmen aus 187 Ländern) zeigten vom 9. bis 13. März erneut das komplette Spektrum der internationalen Reiseindustrie. Rund 170.000 Besucher nutzen die ITB Berlin für den fachlichen oder geschäftlichen Austausch, davon informierten sich allein 60.000 Privatbesucher aus erster Hand über die Reiseziele.

Überschattet wurde die ITB Berlin vom Erdbeben und Tsunami in Japan. Am Samstagmittag wurde der Japanstand geschlossen. Auch wenn das Messetreiben fortgesetzt wurde, zeigten sich Aussteller und Verantwortliche doch sehr betroffen: „Positive Nachrichten und Prognosen prägten in diesem Jahr das Spitzentreffen der Reisebranche, auch wenn die politischen Entwicklungen in Nordafrika natürlich ebenfalls im Raum standen und diskutiert wurden. Große Betroffenheit und Anteilnahme lösten die Nachrichten über die schrecklichen Folgen des Erdbebens und Tsunamis in Japan aus“, sagte Klaus Laepple, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW).

Die Reaktionen einiger neuer Aussteller auf der ITB Berlin zeigten, wie wichtig es für Destinationen ist, beim weltweit größten Tourismustreffen dabei zu sein. „Das ist meine erste ITB Berlin. Ich bin gerührt und überwältigt. Mein Land hat viele neue Freunde gefunden. Mögen die Schwierigkeiten zahlreich sein, so sind die Möglichkeiten, für diejenigen, die sie zu ergreifen wissen, durchaus reell. Die Informationen, die durch die World Tourism Organization UNWTO kommuniziert werden sind von einer großen Qualität und werden uns hilfreich sein“, sagte Mehdi Houas, Tourismusminister Tunesien. Sein Kollege Valentin Kavakure, Chief Promotion Officer im Burundi Tourism Office erklärte: „Burundi ist das erste Mal seit Jahrzehnten wieder mit einem eigenen Stand auf der ITB Berlin vertreten. Ich bin sehr zufrieden mit dem Verlauf und wäre noch zufriedener, wenn wir es schaffen, die Kontakte mit unseren Partnern aus Deutschland, die sich hier neu ergeben haben, auch langfristig zu halten“. Luz Elena Coloma, Gerente General, Quito Turismo, Ecuador, fügt hinzu: „Ich war zum ersten Mal auf der Messe, denn es ist das erste Mal, dass Quito, die Hauptstadt Ecuadors, sich hier eigenständig präsentiert. Die Messe ist eine großartige Gelegenheit, mit der Industrie und dem Handel in Kontakt zu kommen, mit den Interessenten aus Europa, aber auch mit Leuten aus dem eigenen Land.“

Viele Hoffnungen also in eine gigantische Industrie mit weltweit mehr als 100 Millionen Beschäftigten, die hierzulande als Traumwelt wahrgenommen wird. Die Reiselust der Deutschen ist ungebrochen – auch das hat die ITB Berlin gezeigt. Die aktuellen Ergebnisse aus den GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) Tourismus-Vertriebspanels belegen, dass die touristische Nachfrage in Deutschland boomt. Kumuliert bis Ende Januar sollen die Buchungsumsätze für die kommende Sommersaison 2011 um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum steigen. Wer von dieser Reiselust profitiert, hängt nicht zuletzt auch von der Marketingstrategie der Touristiker ab. Auch dies war Thema der ITB Berlin, nicht nur in den Fachgesprächen, sondern auch auf dem ITB Mediengipfel unter dem Titel „Auf wen hört der Kunde? Mobile Apps und Soziale Netzwerke oder Hochglanz und Qualitätsjournalismus?“.

Veranstaltet wurde die Diskussionsrunde von der dpa-Tochter news aktuell, Landau Media, Wilde & Partner und der ITB Berlin. Moderator und Publizist Hajo Schumacher führte auch in diesem Jahr bei der erst zweiten Veranstaltung dieser Reihe amüsant durch das Thema. Ohne ihn hätte sich die Runde, die sich außer Christoph Engl (Südtirol Marketing Gesellschaft) und Stefan Keuchel (Google Deutschland) gern auf die eingetretenen Pfade zurück besonn, wohl kaum aufmischen lassen. Jürgen Drensek, Vorsitzender der Vereinigung Deutscher Reisejournalisten, war anzumerken, wie ungern sich die Branche den neuen Möglichkeiten widmen will. Von einer „Kuschelzeit“, aus der Journalisten kämen, sprach gar Claus Strunz vom Hamburger Abendblatt.

Ihren zynischen Beigeschmack erlebte die Diskussion in der direkten Auseinandersetzung mit den sozialen Netzwerken und darin bestehenden Diskussionen um Reiseziele. Print sei Qualitätsjournalismus, Social Media sei Meinung – so der Tenor der Diskussion, die wenig Möglichkeiten für ein Zusammenspiel aufzeigte. Jürgen Drensek sprach in Bezug auf die neuen Netzwerke sogar von „Mumpitz“. Moritz von Laffert, Geschäftsführer von Condé Nast Deutschland, betonte, dass sich guter Reisejournalismus auch heute auf das Wesentliche konzentrieren müsse: „Wenn es darum geht, Menschen in einem positiven Sinne zum Thema Reisen zu inspirieren, dann kann man nicht auf jede politische Facette eingehen“, so der Verlagsgeschäftsführer in Anspielung auf das aktuelle Geschehen im arabischen Raum. Dennoch beriefen sich Drensek, Strunz und von Laffert immer wieder auf den Qualitätsjournalismus und standen damit im eigenen Widerspruch zu ihren Aussagen, dass Reisejournalismus eher nicht hinterfragt, sondern lediglich inspirieren soll.