Verheißungsvolles Riga?

Die pittoreske Altstadt von Riga mit ihrer achthundertjährigen Geschichte und das Stadtzentrum sind Teil des Unesco Weltkulturerbes. Hinter der Fassade scheint es einige kulinarische Besonderheiten zu geben, die erst noch entdeckt werden müssen

Old RigaFoto: Flickr/Live Riga

Es bleibt das Trendthema für die Vermarktung touristischer Destinationen. Regionale Produkte, gutes Essen und feine Restaurants ziehen mehr denn je die Begeisterung der Reisenden auf sich. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht etwa ein Hotel, eine Tourismusorganisation oder deren PR-Agentur auf ein Event, einen Küchenkalender oder eine saisonale Aktion hinweisen. Denn: Klappern gehört zum Handwerk und wer dies in der PR nicht beherrscht, hat seine Mission verfehlt.

Wahre Perlen

Doch vor lauter Klappern gehen manchmal vielleicht auch die wahren Perlen unter. Leider neigt unsere vom Mainstream geprägte Medienlandschaft allzu oft zu einer klischeehaften Wahrnehmung, in der Überschriften wie etwa „Kulinarisch Reisen-Riga, das baltische Zentrum für Feinschmecker!“ noch so verheißungsvoll klingen können, nicht immer aber sofort auf redaktionelle Begeisterung stoßen. Manchmal tut sich über Jahre gar nichts in der Berichterstattung bis endlich ein Shooting-Star gefunden und aufgestiegen ist. Bestes Beispiel dafür sind die skandinavischen Länder, die mittlerweile auch unter den The World’s 50 Best zu finden sind.

Und so haben es die Verantwortlichen sicher nicht leicht, eine Destination wie Riga mit all ihren Geschichten zu vermarkten. Viel zu wenig wird über das Baltikum berichtet, über dessen kulinarische Besonderheiten eher auf Onlineportalen und Blogs – man muss sich schon sehr mühen, um Informationen zu finden und es scheint tatsächlich wenig zu geben, wie auch die GEO-Redakteurin Nina Freydag bei der Recherche für eine Sonderausgabe bemerkte. Dabei mutet gerade die alte Hansestadt Riga an, eine wahre Perle zu sein.

Wandering in Riga Das Fernweh lockt: Romantische Gassen und beleuchtete Fassaden der Gasthäuser Foto: Flickr/elusivethings

Raffinierte Küche

Umso mehr verwundert, dass gerade in Zeiten, in denen sich Gourmetreisende permanent auf die Suche nach neuen kulinarischen Geheimtipps begeben, es so wenig umfangreich recherchierte Hinweise auf diese Stadt gibt. Momentan wird unter dem Motto „Fest für Feinschmecker Riga – baltische Hauptstadt der Gastronomie“ die raffinierte Küche mit ihren regionalen Produkte präsentiert. Touristen und auch Einheimische sollen mit diesem Event auf die Essgewohnheiten, Geschmacksempfindungen und Weltanschauungen der Rigenser eingestimmt werden. In den letzten Jahren hat es in Lettland zudem eine rapide Entwicklung von Slow Food– und Naturkost-Bewegungen gegeben. Riga ist außerdem aktives Mitglied des kulinarischen Städtenetzwerks Délice – Network of Good Food Cities of the World und bietet mit seinen lokalen Restaurants, Cafés und Sondermärkten auserlesene Produkte und Gerichte an. Deshalb wird es Zeit, dass wir hier in Deutschland noch mehr über diese kulinarische Kultur erfahren – nicht nur, um damit den Tourismus zu unterstützen.

Genusswanderungen: Protagonist wandert mit

Es gibt diese Regionen in Deutschland, die vornehmlich von der Vermarktung ihrer Landschaft leben. Doch der pure Hinweis auf die wundersame Natur genügt längst nicht mehr, um Gäste damit anzulocken. Während die heutigen Senioren noch vom schönen Schwarzwald, Allgäu, Harz, Erzgebirge oder Bayerischen Wald träumten, zieht es deren Kinder und bald auch die Enkel vorrangig sicher nicht in die näheren deutschen Urlaubsziele – zumindest nicht unbedingt für einen längeren Ferienaufenthalt. Deshalb lassen sich die Regionen, meist in Zusammenarbeit mit den Hotels und deren Köchen gern ein wenig mehr einfallen: Der Genuss-Aufenthalt oder die Genuss-Wanderung sind in.

Doch diese Ideen müssen auch gelebt werden. Ein Arrangement, dass den puren Genuss verspricht, muss ausgefüllt sein. Der Koch sollte überzeugen können, seine Region entsprechend vermarkten. Ich habe beide Seiten kennen gelernt: Entweder hatte die Tourismusorganisation mühsam einen Protagonisten gefunden, der sich bereit erklärte, diesen Job zu übernehmen und ihn dementsprechend engagiert ausübte, oder aber der Koch war derart gut in Form, dass er eher für sich und sein Haus warb als für die Region. Ideal ist es deshalb, wenn die für eine Vermarktung geeigneten Ideen wie von selbst entstehen. Dann spürt auch der Gast, was diese Region ausmacht.

Das Beispiel aus dem Schwarzwald, genauer gesagt aus der Gemeinde Baiersbronn, scheint mir diesbezüglich sehr authentisch. In dieser Gourmethochburg, in der ein Sternerestaurant neben dem anderen für sich selbst spricht, vermutet der Gast doch nicht etwa einen Wanderkoch wie Friedrich Klumpp. Dieser lässt sich auf der Suche nach Zutaten für seine Küche von Gästen begleiten und kredenzt ihnen unterwegs sogar ein Fünf-Gänge-Menü mit frisch gesammelten Zutaten. Der WDR hat dazu einen Beitrag produziert und ein paar begeisterte Gäste nach ihren Eindrücken befragt.

Eine nette Idee wie ich finde und irgendwie passt das in diese ländliche Region im nördlichen Schwarzwald, mit der gerade die Gourmetreisenden ansonsten doch eher die Schwarzwaldstube und Harald Wohlfahrt in Verbindung bringen und sich dort vom „Virtuosen der Aromen“ verwöhnen lassen. Friedrich Klumpp begeistert seine Gäste dann schon eher mit Vogelbeeren oder Tannennadeln.

Genuss ist bei Slow Food ein Erlebnis

Mit der Nacht der Sinne öffnet die Slow Food Messe heute wieder ihre Türen. Der Markt des guten Geschmacks entführt die Besucher dieser etablierten Show rund um das Thema Genuss und Geschmack noch bis zum Sonntag in gewohnter Weise.

slow food

In Halle 5 der Messe Stuttgart werden die Besucher erneut an der sich über 100 Meter erstreckenden „Langen Tafel“ Platz nehmen. In bekannter Slow Food-Manier kommen sie dann mit den Tischnachbarn ins Gespräch (siehe Foto: Liebig-Braunholz). Für Weinfreunde bietet die Vinothek in Halle 3 mehr als 100 Weine zur Verkostung. Weitere exklusive Verkostungen fair gehandelter Produkte werden in Halle 3 präsentiert. Für Besucher mit einer Vorliebe für Süßes bieten die Schokoladenkreationen aus wildem Kakao oder gefüllten Pralinen besonderen Genuss.

Slow Food Deutschland stellt im Rahmen der Messe den neuen Slow Wine Führer vor. Außerhalb des Fachbesuchertages stehen unter anderem die Themen „Nachhaltiger Konsum“, „Die Zukunft der Landwirtschaft“, „Teller statt Tonne“ und „Brot – Geschmack braucht Zeit“ auf dem Programm. Weitere Informationen im Internet direkt hier bei Slow Food Deutschland.

Reisen mit dem Touristenstrom

vgwortEs gibt sie, diese Anziehungskraft der pulsierenden Metropolen dieser Welt. Touristen folgen ihr gern, lassen sich berauschen vom quirligen Treiben in der Enge der Gassen und dem hektischen Leben der Menschen. In Amsterdam wird dieses Treiben zudem permanent von den sich überwiegend mit Fahrrädern fortbewegenden Einheimischen gestört. Ein gemütlicher Stadtbummel empfiehlt sich deshalb lieber vom Wasser aus oder aber man steigt gleich selbst aufs Rad.

Fast jeder Amsterdamer besitzt ein Fahrrad, etwa 600.000 Drahtesel kommen auf rund 750.000 Einwohner. Fast 40 Prozent aller Wege legen die Bewohner der Grachtenstadt mit dem „fiets“ zurück: die schmalen Gassen der Innenstadt stammen aus dem 17. Jahrhundert und sind für Autos schlecht zugänglich. Die insgesamt 400 Kilometer langen Radwege bilden somit die ideale Alternative auf dem Weg von A nach B – auch für Touristen. Foto: Niederländisches Büro für Tourismus & Convention

Mehr als 3,5 Millionen Besucher zählt die europäische Metropole pro Jahr. Und da sich nicht jede Jahreszeit für einen Besuch anbietet, lässt sich erahnen, wie überlaufen die Attraktionen zu den beliebten Reisezeiten sind. Lange Schlangen vor den Museen sind keine Seltenheit – Zeit sollte man demnach mitbringen. Vielleicht sogar etwas mehr als üblich, denn in meiner Wahrnehmung habe ich etwa in der National Gallery of Art in Washington DC oder im Ägyptischen Museum in Kairo nicht so lange auf den Einlass warten müssen wie etwa im Van Gogh Museum. Dafür wird man reich belohnt – lange Zeit hat mich kein Museum so sehr beeindruckt.

Dies gilt auch für die Stadt an sich. Doch wie jede Metropole scheint auch Amsterdam mit den Touristenströmen zu kämpfen. Irgendwann ist der Reiz verloren, wenn man beispielsweise einen Pancake genießen will, das Café aber überfordert ist mit der entsprechenden Sorgfalt auf jeden Einzelnen einzugehen. In Florenz beispielsweise war mir dies zum letzten Mal derart unangenehm aufgefallen und Amsterdam scheint diesbezüglich auch ein wenig zur Schnellatmigkeit zu neigen. Umso angenehmer, wenn man auf die kleinen Geheimtipps zurück greifen kann, die mittlerweile jeder Reisende im Gepäck haben sollte. Amsterdam ist nicht das erste Reiseziel für Gourmets – die „New Stars“ agieren in Sluis und in Zwolle – aber auch hier hat die Haute Cuisine einiges zu bieten, beispielsweise im Ciel Bleu oder im Ron Blaauw.

Doch einen Hinweis sind auch die vielen Adressen wert, die typisch niederländische Speisen anbieten und schon von außen mit ihren Speisekarten auf ihr Angebot verweisen. Auch die Braunen Kneipen, sogenannte „Bruine Cafés“, sollte man gesehen haben – sie versüßen den Amsterdam-Aufenthalt auf ihre besonders eigene Art und Weise. Einige von ihnen befinden sich um den berühmtesten Grachtengürtel der Stadt herum, der im 17. Jahrhundert rundum den mittelalterlichen Singel in Form eines Halbmondes angelegt wurde. Das Video zeigt weitere Impressionen der berühmten Grachten. Und nicht zuletzt sei hier auch ein Hinweis für kostengünstige Unterkünfte in Amsterdam erlaubt. Für einen längeren Aufenthalt in der Stadt bietet sich beispielsweise an, eine Ferienwohnung in Amsterdam zu mieten.

Amsterdam in the springtime from SilkeLiebigBraunholz on Vimeo.

Paul Bocuse empfiehlt sich kurz und bündig

vgwortIch mag diese Art von Kochbücher: Aufschlagen, tolle Fotos sehen, Appetit bekommen und auf einer Buchseite das Rezept überfliegen können. Bocuse für jeden Tag ist so ein Buch und bietet zu den 220 Rezepten der klassischen französischen Alltagsküche noch zahlreiche Ratschläge von einem der berühmtesten Köche der Welt – etwa zum Thema Wein.

„Unsere Zeit ist schnelllebig, und es gibt eine ganze Generation, die nicht genügend Zeit hatte, sich sorgfältig mit der Küchenpraxis vertraut zu machen – irgendwann aber müssen wir uns alle zu Tisch setzen und essen! Das hat mich davon überzeugt, dass dieses Buch ihre Berechtigung und ihren Nutzen hat. Die Küche, die hier vorgestellt wird, ist für jedermann verständlich, die Rezepte sind leicht und schnell nachkochbar und erfordern keine teuren Zutaten. Ich habe schon viele Bücher geschrieben, aber auf dieses sprechen mich die Leute am meisten an, weil auch ein Anfänger ohne Erfahrung damit seine ersten Erfolgserlebnisse haben kann“, umschreibt Paul Bocuse den Inhalt dieser kleinen Bibel des guten Geschmacks. Gerade ist sie in der komplett überarbeiteten Neuausgabe erschienen und hervorragend geeignet für jeden Koch, der gern einmal durch die Welt eines der bekanntesten Köche stöbern möchte, der die Nouvelle Cuisine wie kaum ein anderer prägte.

Das Buch ist gegliedert in die Rubriken

Suppen
Vorspeisen, Zwischengerichte und Salate
Eier
Saucen, Pasten und sauer eingelegtes
Fisch und Schalentiere
Fleisch, Geflügel und Wild
Gemüse
Nudel und Reis sowie
Süsses

und enthält eindeutige Beschreibungen jedes einzelnen Arbeitsschrittes. Das Entrecôte Winzerinnen-Art erscheint hier wie ein Kinderspiel in der Zubereitung. Dazu werden Zwiebeln, graue Schalotten und Sardellenfilet püriert. Fast fertig! Zubereitungszeit: 10 Minuten. Garzeit: 25 Minuten je nach Geschmack. Bewusst empfiehlt Paul Bocuse Alltagsgerichte und hat auf komplette Menüs verzichtet.

Die Nouvelle Cuisine versteckt sich in diesem Buch nicht etwa in jedem Gericht und auf den ersten Blick, sondern vielmehr zwischen den Zeilen und kleinen Hinweisen des Autors. Für jeden Koch ein Muss und empfehlenswert!

Bocuse für jeden Tag
Aus dem Französischen von Marion Dill
304 Seiten, geb., 25,5 x 18 cm, durchgehend farbig
Verlagshaus Jacoby & Stuart GmbH
ISBN 978-3-941787-75-9
€ 24,95 (D) / € 25,70 (A) / SFr 35,50