In Social Media vorbildlich aufgestellt

vgwortGOSLAR Als ich heute den Presse-Newsletter des Harzer Tourismusverbandes las, war ich überrascht und begeistert zugleich. „Ob Social Media-Kanäle, wie Facebook, YouTube, Twitter, Google+ oder andere – wichtig bei der Kommunikation eines Unternehmens oder Dienstleisters ist vor allem die Aktualität seiner Meldungen und der direkte Austausch mit potenziellen Kunden sowie Vertretern der Presse“, hieß es darin. Wie wahr und zugleich doch verwunderlich, denn Journalisten wie auch ich, wissen, dass dies längst nicht für alle Unternehmen und Dienstleister gilt.

Das war schon immer so – weil Kommunikation eben nun mal nicht jedermanns Sache ist – und dennoch hört Kommunikation nicht dort auf, wo jemand ausschließlich sendet. Diesem Irrtum verfallen zunehmend aber genau die Unternehmen und Dienstleister, die glauben, dass ein Posting in einem sozialen Netzwerk in Zukunft völlig ausreicht, um mit der Welt in Kontakt zu sein.

Marktplatz Wernigerode (Germany)

Impressionen aus dem Harz sind bei Flickr in der Gruppe Harz zu finden. Hier ist der Marktplatz in Wernigerode zu sehen. Ein Manko, dass es auf der Webseite des Harzer Tourismusverbandes noch kein Bildarchiv gibt.

Deshalb las ich die Botschaft in der Newsletter-Nachricht aus Goslar bis zum Schluss und besuchte sogar das Presseportal, obwohl meine letzte Reise in den Harz schon einige Zeit zurück liegt und ich aktuell auch keinen Beitrag aus dieser Region bearbeite. Doch auch wenn sich keine Notwendigkeit fand und das Verschicken einer Mail in einem Newsletter zudem nicht gerade überraschte, war diese Mail dennoch außergewöhnlich, weil sie über die gelungene Verquickung aller Kanäle berichtete und einiges vorzuweisen hatten, bis hin zu einem Youtube-Kanal, der nicht nur angelegt, sondern sogar gefüllt ist. Dies – und deshalb entsteht dieser Blogbeitrag – ist eben etwas anderes als ausschließlich einen Newsletter zu verschicken oder eine Seite in einem sozialen Netzwerk zu betrieben. Ohne Ross und Reiter nennen zu wollen, verwundert es doch zusehends, dass soziale Netzwerke immer wieder dazu benutzt werden, um hierüber auch eine vermeintliche Unternehmenskommunikation zu führen.

HSB 99 6001-4 @ Strassberg
Die Harzer Schmalspurbahn ist die wohl berühmteste Dampflok in diesem deutschen Mittelgebirge Fotos (2): Flickr

Der Harzer Tourismusverband jedenfalls scheint verstanden zu haben, wo die Unterschiede zwischen den sozialen Medien, einer äußerst sensiblen Unternehmenskommunikation und der klassischen Pressearbeit liegen. So kann Kommunikation letztendlich auch Relevanz erzeugen und ihr Ziel erreichen. Bestenfalls ist dies Aufmerksamkeit!

Mehr Mut zur Fachkompetenz

Zwischen Fachjournalisten und Redaktionen könnte es fruchtbarer zugehen – ein Annäherungsversuch

(Dieser Beitrag ist im Fachjournalist erschienen und hat zahlreiche Reaktionen hervorgerufen. Ich veröffentliche deshalb an dieser Stelle einige Passagen. Der komplette Beitrag ist hier zu finden.)

In der medialen Wahrnehmung hat die seichte Unterhaltung längst die hintergründigen Formate verdrängt. Die Gewichtung scheint aus den Fugen zu geraten wenn Einschaltquoten und Auflagenzahlen die Inhalte bestimmen. Für Fachjournalisten ist es schwierig, ihre Kompetenzen zu vermarkten – denn sie treffen gerade in der Publikumspresse auf Redakteure, die sich exakt diesen Vorgaben unterwerfen müssen. Doch es gibt sie, die Fachmedien, die Spezialisten für qualifizierte Beiträge suchen. Die Publikumspresse scheint indes ebenfalls nach ihnen zu suchen, wenn Fachjournalisten in der Lage sind, ihre Kompetenz für ein breites Publikum herunterzubrechen.

Leider gibt es für unsere Thematik nur wenige Fachjournalisten

„Wir suchen freie Autoren, die aus Österreich, dem Sauerland und den neuen Bundesländern berichten. Leider gibt es für unsere Thematik aber nur wenige Fachjournalisten“, sagt DIETER BIERNATH, Chefredakteur und Herausgeber der Fachzeitschriften FORSTMASCHINENPROFI und ENERGIE PFLANZEN. Beide Zeitschriften erscheinen im Forstfachverlag in Scheeßel. Der Fachkollege FERDINAND OBERER fühlt sich in diesem Verlag gut aufgehoben. „Hier darf ich ausführlich und kritisch berichten“, sagt er. Als Diplomforst- und Diplombetriebswirt könne er in diesem Verlag beispielsweise darüber schreiben, wie größere Konzerne die Entwicklungen auf dem Markt der erneuerbaren Energien torpedieren. Ich sehe mich als freier Journalist verpflichtet, kritische Dinge anzusprechen, und habe mich nicht zuletzt aus diesem Grund dem Journalismus zugewandt“, erzählt er.

Manchmal findet Kritik statt, aber dann vielleicht auf der Seite Zwei

FERDINAND OBERER beobachtet indes, dass es nicht viele Medien gibt, die sich offen kritisch über die Branche äußern, über die sie berichten. „Manchmal findet Kritik statt, aber dann vielleicht auf der Seite Zwei“, beobachtet auch CARSTEN HENNIG. Der Hamburger Journalist ist ein erfahrener Mann innerhalb der Hotellerie- und Tourismusbranche. Sein Schwerpunkt liegt im Onlinejournalismus sowie in der Unternehmenskommunikation. Er weiß, dass die Thematik Lebensmittelzusätze in Convenience-Produkten (Fertiggerichte bzw. vorgefertigte Food-Komponenten) eine hohe Aktualität und Relevanz besitzt, diese aber in den Fachmedien kaum diskutiert wird, weil die Anzeigenkunden dann nicht gehalten werden können.

Wieder spitzer und pointierter formulieren

Gerade weil eine fachlich fundierte Berichterstattung ohne den kritischen Ansatz jedoch nicht auskommen kann, wünscht sich CARSTEN HENNIG mehr Mut in den Redaktionen. „Wir sollten wieder spitzer pointieren und formulieren. Ich wünsche mir noch viel mehr Hintergrundinformationen in den Medien und sehe hier eine Chance für die Fachjournalisten“, beschreibt er. Denn HENNIG beobachtet auch, dass Themen, die etwa unter den Topmanagern der Hotellerie diskutiert werden, das Haus überhaupt nicht verlassen. „Als Journalist bekomme ich die Information erst am Ende, es sei denn, ich habe ein enges Netzwerk“, sagt der Journalist. Fachjournalisten sollten sich deshalb auf die außergewöhnlichsten Themen stürzen und diese als Multiplikatoren verbreiten.

Sportangebot deutlich vielfältiger gestalten

„Ich wünsche mir das Comeback eines hintergründigen Sportmagazins im Fernsehen, wie etwa des SPORTSPIEGELS beim ZDF oder SPORT UNTER DER LUPE vom SWR. Dieses Magazin sollte wöchentlich oder mindestens 14-tägig erscheinen und Fehlentwicklungen im Sport rechtzeitig antizipieren und dann adäquat kritisieren“, sagt Prof. Dr. phil. MICHAEL SCHAFFRATH. Der kommissarische Leiter des Lehrstuhls für Sport, Medien und Kommunikation an der TECHNISCHEN UNIVERSITÄT MÜNCHEN und Herausgeber der Schriftenreihe SPORTPUBLIZISTIK plädiert zudem seit Langem dafür, dass ARD und ZDF sich nicht in diesem ökonomisch unvernünftigen Maße um Fußballrechte bemühen sollten. Vielmehr sollten sie aufgrund der Gebühreneinnahmen ihre Möglichkeiten nutzen, das Sportangebot deutlich vielfältiger zu gestalten.

Sinkender Einfluss der ärztlichen und medizinjournalistischen Kompetenz
Auch der Mediziner Dr. med. CHRISTOPH FISCHER kann für den Medizinjournalismus nicht immer eine ausgewogene Berichterstattung in den Medien erkennen. „Ich persönlich habe in den letzten Jahren meines journalistischen Berufslebens als Ressortchef Medizin der Bundesausgabe der BILD-Zeitung die Erfahrung eines kontinuierlich sinkenden Einflusses meiner ärztlichen und medizinjournalistischen Kompetenz verspürt und daraus die Konsequenz – Kündigung – gezogen“, beschreibt er. Die Krux: Gerade Medizinjournalisten bringen aus seiner Erfahrung heraus für die journalistische und redaktionelle Arbeit, wie etwa Themenfindung und Relevanzüberprüfung, nur ungenügendes Verständnis auf. FISCHER hat beobachtet, dass es große Diskrepanzen gibt: „Ein journalistisches Stück ist keine wissenschaftliche Abhandlung“, sagt er und plädiert für eine solide journalistische Bildung mit fachlichem Hintergrund.

Beim Lufthansa-Bordmagazin darf Andreas Spaeth nicht kritisch sein
Der Luftfahrtjournalist ANDREAS SPAETH kommt mit dem Spagat zwischen Fachkenntnis und journalistischem Gespür seit Jahren gut zurecht. „Zum Glück gibt es in Deutschland fast niemanden, der genau das macht, was ich mache“, erklärt er. Für ihn ist es eine Selbstverständlichkeit, Themen herunterzubrechen. „Generell ist mir eine gute Verständlichkeit sehr wichtig“, betont der Journalist mit eigenem Pressebüro in Hamburg. Auch mit kritischen Themen hat er keinerlei Probleme, da er sich in seiner Kolumne SPAETHFOLGEN auf dem Branchenportal airliners.de ausleben darf. „Ich arbeite auch für Kundenmagazine wie das LUFTHANSA-Bordmagazin. Da darf ich überhaupt nicht kritisch sein. Richtig reinhauen kann ich in den SPAETHFOLGEN, die übrigens in der Branche gut ankommen“, beschreibt er.

Fachliche Spezialisierung ist für freie Fachjournalisten sinnvoll
Diesen Luxus können sich jedoch längst nicht alle Fachjournalisten leisten. Schon gar nicht, wenn der Markt übersät und das Themengebiet in den Sendeformaten nicht flexibel gestaltbar ist. Letztendlich ergab die Recherche bei allen freien Fachjournalisten jedoch, dass die fachliche Spezialisierung sinnvoll ist. Im Unterschied zwischen der Fach- und Publikumspresse könne man die Fachpresse immer noch als einen fundierten Lieferanten von Hintergrundinformationen bezeichnen. Die Fachpresse sei sehr speziell und viel professioneller geworden, beobachtet CARSTEN HENNIG und gibt den Fachkollegen den Rat, sich genau zu überlegen, welcher Redaktion sie ein Thema anbieten. Das Problem „Themenklau“ kennt auch er, weshalb HENNIG bei eigenen Themenvorschlägen nur mit einer passwortgeschützten PDF-Datei an die Redaktionen herantritt.

Fachjournalisten haben meist einen Informationsvorsprung FERDINAND OBERER spricht auch von „Futterneid“. Er habe erlebt, dass ihn Redakteure demütigten. „Es gibt angestellte Journalisten, die Themen von fachlich fundierten freien Kollegen nicht annehmen“, sagt er. Auch die Osteuropa-Expertin Dr. BIRGIT WETZEL erklärt, dass nur einige Redaktionen ihre Themen aufnehmen. „Ich habe durch meine vielen Reisen einen großen Informationsvorsprung. Wenn ich mit den Redaktionen darüber ins Gespräch kommen möchte, erkennen diese meist die Bedeutung von Ereignissen nicht in ihrer Tragweite“, beklagt sie. Sie beobachte, dass die Redaktionen dünn besetzt sind, nicht immer auf die richtigen Fachkollegen zurückgreifen und an einigen Themen vorbeigingen. Sie sagt deshalb: „Die Presse kastriert sich um fachkundige Beiträge“.

Der trügerische Facebook-Effekt

vgwortKASSEL Das Wetter ist schön. Der Gastronom wünscht sich einen regen Gästezulauf. Doch das Restaurant ist nur mäßig besetzt. „Das müssen wir bei Facebook posten. Wir verkaufen unseren Kaffee jetzt bei diesem Sonnenschein für 1 Euro„, sagt die Servicemitarbeiterin. „Warum?“, frage ich, „dieser Preis passt doch überhaupt nicht zu ihrem Image“. Man müsse doch aber einfach mal etwas tun, wird mir entgegnet.

Keine Seltenheit, derartige Gespräche. Facebook ist in aller Munde. Jeder will partizipieren, aber nur Wenige wissen wie. Experimente, Flickschusterei, gepostetes Halbwissen und viel Blödelei sind an der Tagesordnung. Warum auch nicht?: Facebook ist eine Spielwiese zum Teilen. Mark Zuckerberg ist 2004 angetreten, um der Welt eine Plattform zu bieten, durch die Menschen schneller zueinander finden und Informationen untereinander austauschen können. Dann kam der Hype. Jetzt sind es rund 600 Millionen Nutzer, die sich täglich in den Bann ziehen lassen. Kein Wunder, dass es nun den Wunsch gibt, davon zu profitieren.

Doch man muss es auch können. Dafür gibt es Berater und Experten, wenn ein Gastronom oder Hotelier das Marketingverständnis nicht selbst aufbringen kann. Nun soll dieser Beitrag auf keinen Fall eine Lobhudelei auf Marketingberater sein, sondern vielmehr einen Blick schärfen. Nicht jeden Hype muss man mitmachen, wenn man ihn noch nicht einmal verstanden hat. Neue Ideen, die ein Geschäft ankurbeln könnten, müssen immer noch im richtigen Verhältnis zu anderen Aktivitäten – am besten zu einem ausgefeilten Marketing-Mix stehen. Daran hat sich auch durch Facebook nichts geändert.

Es scheint aber, dass gerade im Marketing jeder mitmischen kann bzw. will und deshalb meint es zu können. Ein Koch, der seinen Beruf gelernt hat und ihn mit Leidenschaft ausübt ist auch nicht zu vergleichen mit einem Hobbykoch, weil dieser beispielsweise nicht täglich einer Kalkulation unterworfen ist, die ihn zwingt nach einem entsprechenden Plan einzukaufen. Das heißt, das Menü des Hobbykochs muss sich am Ende nicht etwa rechnen. Es muss auch nicht den kritischen Blicken eines Testers genügen, der über den Koch berichtet. Letztendlich betreibt der Koch sein Handwerk professionell so wie es auch viele Kommunikationsexperten in dieser Republik tun. Sie sehen allein schon den Begriff Social Media unter einem ganz anderen Aspekt als beispielsweise ein Koch oder Gastronom.

In der Allgemeinen Hotel- und Gastronomiezeitung (AHGZ) vom 5. März wurde über die Herausforderungen der neuen Marketingchancen berichtet. Der stellvertretende Geschäftsführer des Tourismusverbandes Allgäu/Bayerisch-Schwaben, Rolf Dehner, verdeutlichte in dem Beitrag, dass er das Internet lediglich als eine Ergänzung und Bereicherung, keinesfalls aber als Ersatz für klassisches Marketing betrachte. Genau das ist der Punkt: Der Mix muss nach wie vor stimmen und Facebook sollte nicht dazu verleiten, unüberlegte Schnellschüsse abzufeuern, die letztendlich nur die Hilflosigkeit mit dem Social Web verdeutlichen.

Interessant ist auch immer der Blick auf die Betreiber von Websites, die auf Facebook eine Fanpage anlegen. Mit einem „Gefällt mir“-Klick erhalten die Fans regelmäßig Nachrichten aus der Redaktionsschmiede des Blog-Teams. Im Falle des Hotel-Blog können es dann Nachrichten der Travel Charme Hotels & Resorts AG mit Sitz in Zürich sein, die vielleicht nicht gerade eine unabhängige Berichterstattung über Hotels ermöglichen können, auch wenn die Initiatoren des Weblogs großen Wert auf redaktionelle Unabhängigkeit legen.

Die Unübersichtlichkeit auf Facebook trägt nicht gerade dazu bei, dass der Informationsfluss immer einen Nutzen hat. Oft ist ein Klick der Schritt hin zu Datenmüll und permanenter Belagerung. Das gleiche gilt für Gruppenmitgliedschaften. Es lohnt sich genauer hinzuschauen und vielleicht auch wieder auszutreten. Wenn die Moderatoren beispielsweise permanent nur Halbwissen verkünden oder ungeprüfte Links einstellen, die das Gruppenmitglied zwingen durch den Informationsdschungel einer Website zu wildern, um dann festzustellen, dass die Informationen mit dem eigenen Interesse überhaupt nichts zu tun haben. Das Linkeinstellende Gruppenmitglied geht schließlich auch nur von sich aus und betrachtet zunächst einmal nicht die Bedürfnisse der anderen Mitglieder. Von einer zielgruppengerechten Betrachtung, wie es beispielsweise in klassischen Medien der Fall ist, kann in diesen Gruppen selten die Rede sein.

Genau darin liegt der trügerische Facebook-Effekt begründet. Es geht um Selbstdarstellung und -überschätzung und um das Teilen von Informationen, die einer Marketingstrategie nicht immer weiterhelfen. Oftmals ermöglicht der Dschungel gar die wahren Interessen zu übersehen. Für dieses Blog beispielsweise sollte die Plattform genutzt werden, um Stimmen aus der Hotellerie für einen Blogbeitrag aus erster Hand zu sammeln. Ein journalistischer Ansatz, dessen Ergebnis verheerend war und verdeutlichte, dass überhaupt kein Interesse besteht, in einen ernsthaften Kontakt untereinander zu treten. Vielleicht verdeutlichte das Beispiel aber auch den Zustand viele Nutzer, die völlig überfordert sind zwischen Sinn und Unsinn zu unterscheiden.

Letztendlich bleibt die Erkenntnis, dass Facebook in der Tat eine große Spielwiese ist, die sehr viel Fingerspitzengefühl abverlangt. Aber Facebook allein ist nicht Social Media. Trügerisch ist vor allem die Tatsache, dass gerade Hotels und Destinationen auf Kongressen und Marketingveranstaltungen aufgerufen werden, unbedingt dabei zu sein. Nach dem Aufruf stehen die Verantwortlichen meist allein da und schustern sich die Umsetzung selbst zurecht. Dabei glauben viele, dass es mit Facebook getan ist und ein Blog mal schnell bestückt werden kann. „Wir stellen ein paar Fotos rein und schreiben etwas dazu“, sagte einst ein Hotelier. Ein anderer empfahl eine Gutscheinaktion, die auf Facebook der absolute Renner sei. „Wir haben so viele Klicks wie nie zuvor“, begeisterte er sich. Obendrein war er noch stolz darauf, dass die sogenannten „Klicker“ den Gutschein wahrscheinlich gar nicht einlösen werden, weil er so clever war und diesen nur mit 10 Euro bestückte. „Die meisten hängen ihn an die Pinnwand und vergessen diesen winzigen Betrag einzulösen“, freute er sich.

Generell ist gegen derartige Füchse nichts einzuwenden, wenn sie nicht den Markt überschwemmen würden. Es ist eben nichts besonderes, auf Facebook mal eben eine Seite anzuklicken. Es ist auch nichts Außergewöhnliches, einen Gutschein dafür zu erhalten. Die Tricks sind bekannt und begeistern am Ende wahrscheinlich nicht einmal den, der geklickt hat. Von mittel- oder langfristiger Strategie des Hoteliers kann auch nicht die Rede sein, eher von einer kurzfristigen. Ich wage jedoch zu bezweifeln, dass dies überhaupt eine Strategie ist.

Es fehlt an Kreativität: Wo früher ein Gewinnspiel mit Rückantwortkarte zum klassischen Adressen sammeln verschickt wurde, zählt heute der Klick. Wo früher die Lokalzeitung angerufen wurde, wird heute geblogt. Und das ist auch gut so und sollte sich auf authentische Art und Weise vermehren. Die Ausrede „Ich weiß nicht was ich schreiben soll, zählt nicht“. Denn es gibt sie, die Geschichten, die erzählt werden können und die Gäste von morgen begeistern. Es gibt auch „die Lösung“ für jedes einzelne Hotel, wenn sie nicht übereilt sondern mit Bedacht gesucht und gefunden wird. Und es gibt mittlerweile gut gemachte Blogs, die dem klassischen Journalismus auf die Sprünge helfen. In der Branche wird verstärkt darüber diskutiert, weil diese Blogs Themen aufgreifen, für die nicht erst die Druckmaschine angeschmissen werden kann oder muss. Mit ihnen werden Hoteliers oder Tourismusdestinationen, die einen eigenen Blog betreiben, bald konkurrieren. Umso wichtiger ist eben auch hier die Professionalisierung. Denn am Ende gilt: Nur wer Social Media richtig nutzt, kann davon profitieren.

ITB zeigt mehr als die „heile Urlaubswelt“

vgwortBERLIN Mit einem deutlichen Plus bei Einkäufern aus dem Ausland und den besten Ausstellerzahlen aller Zeiten schloss die 45. ITB Berlin (Internationale Tourismus-Börse) gestern ihre Tore. Dr. Christian Göke, Geschäftsführer der Messe Berlin, blickt auf eine erfolgreiche Veranstaltung zurück: „Die ITB Berlin zieht von Jahr zu Jahr mehr internationale Entscheider an. Mittlerweile kommen über 40 Prozent der Einkäufer aus dem Ausland. Wir gehen davon aus, dass die Aussteller ein Volumen von mehr als sechs Milliarden verhandelt haben.“

Begehrt: Hallen mit deutschen Reisezielen Foto: Liebig-Braunholz

11.163 Unternehmen aus 188 Ländern (2010: 11.127 Unternehmen aus 187 Ländern) zeigten vom 9. bis 13. März erneut das komplette Spektrum der internationalen Reiseindustrie. Rund 170.000 Besucher nutzen die ITB Berlin für den fachlichen oder geschäftlichen Austausch, davon informierten sich allein 60.000 Privatbesucher aus erster Hand über die Reiseziele.

Überschattet wurde die ITB Berlin vom Erdbeben und Tsunami in Japan. Am Samstagmittag wurde der Japanstand geschlossen. Auch wenn das Messetreiben fortgesetzt wurde, zeigten sich Aussteller und Verantwortliche doch sehr betroffen: „Positive Nachrichten und Prognosen prägten in diesem Jahr das Spitzentreffen der Reisebranche, auch wenn die politischen Entwicklungen in Nordafrika natürlich ebenfalls im Raum standen und diskutiert wurden. Große Betroffenheit und Anteilnahme lösten die Nachrichten über die schrecklichen Folgen des Erdbebens und Tsunamis in Japan aus“, sagte Klaus Laepple, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW).

Die Reaktionen einiger neuer Aussteller auf der ITB Berlin zeigten, wie wichtig es für Destinationen ist, beim weltweit größten Tourismustreffen dabei zu sein. „Das ist meine erste ITB Berlin. Ich bin gerührt und überwältigt. Mein Land hat viele neue Freunde gefunden. Mögen die Schwierigkeiten zahlreich sein, so sind die Möglichkeiten, für diejenigen, die sie zu ergreifen wissen, durchaus reell. Die Informationen, die durch die World Tourism Organization UNWTO kommuniziert werden sind von einer großen Qualität und werden uns hilfreich sein“, sagte Mehdi Houas, Tourismusminister Tunesien. Sein Kollege Valentin Kavakure, Chief Promotion Officer im Burundi Tourism Office erklärte: „Burundi ist das erste Mal seit Jahrzehnten wieder mit einem eigenen Stand auf der ITB Berlin vertreten. Ich bin sehr zufrieden mit dem Verlauf und wäre noch zufriedener, wenn wir es schaffen, die Kontakte mit unseren Partnern aus Deutschland, die sich hier neu ergeben haben, auch langfristig zu halten“. Luz Elena Coloma, Gerente General, Quito Turismo, Ecuador, fügt hinzu: „Ich war zum ersten Mal auf der Messe, denn es ist das erste Mal, dass Quito, die Hauptstadt Ecuadors, sich hier eigenständig präsentiert. Die Messe ist eine großartige Gelegenheit, mit der Industrie und dem Handel in Kontakt zu kommen, mit den Interessenten aus Europa, aber auch mit Leuten aus dem eigenen Land.“

Viele Hoffnungen also in eine gigantische Industrie mit weltweit mehr als 100 Millionen Beschäftigten, die hierzulande als Traumwelt wahrgenommen wird. Die Reiselust der Deutschen ist ungebrochen – auch das hat die ITB Berlin gezeigt. Die aktuellen Ergebnisse aus den GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) Tourismus-Vertriebspanels belegen, dass die touristische Nachfrage in Deutschland boomt. Kumuliert bis Ende Januar sollen die Buchungsumsätze für die kommende Sommersaison 2011 um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum steigen. Wer von dieser Reiselust profitiert, hängt nicht zuletzt auch von der Marketingstrategie der Touristiker ab. Auch dies war Thema der ITB Berlin, nicht nur in den Fachgesprächen, sondern auch auf dem ITB Mediengipfel unter dem Titel „Auf wen hört der Kunde? Mobile Apps und Soziale Netzwerke oder Hochglanz und Qualitätsjournalismus?“.

Veranstaltet wurde die Diskussionsrunde von der dpa-Tochter news aktuell, Landau Media, Wilde & Partner und der ITB Berlin. Moderator und Publizist Hajo Schumacher führte auch in diesem Jahr bei der erst zweiten Veranstaltung dieser Reihe amüsant durch das Thema. Ohne ihn hätte sich die Runde, die sich außer Christoph Engl (Südtirol Marketing Gesellschaft) und Stefan Keuchel (Google Deutschland) gern auf die eingetretenen Pfade zurück besonn, wohl kaum aufmischen lassen. Jürgen Drensek, Vorsitzender der Vereinigung Deutscher Reisejournalisten, war anzumerken, wie ungern sich die Branche den neuen Möglichkeiten widmen will. Von einer „Kuschelzeit“, aus der Journalisten kämen, sprach gar Claus Strunz vom Hamburger Abendblatt.

Ihren zynischen Beigeschmack erlebte die Diskussion in der direkten Auseinandersetzung mit den sozialen Netzwerken und darin bestehenden Diskussionen um Reiseziele. Print sei Qualitätsjournalismus, Social Media sei Meinung – so der Tenor der Diskussion, die wenig Möglichkeiten für ein Zusammenspiel aufzeigte. Jürgen Drensek sprach in Bezug auf die neuen Netzwerke sogar von „Mumpitz“. Moritz von Laffert, Geschäftsführer von Condé Nast Deutschland, betonte, dass sich guter Reisejournalismus auch heute auf das Wesentliche konzentrieren müsse: „Wenn es darum geht, Menschen in einem positiven Sinne zum Thema Reisen zu inspirieren, dann kann man nicht auf jede politische Facette eingehen“, so der Verlagsgeschäftsführer in Anspielung auf das aktuelle Geschehen im arabischen Raum. Dennoch beriefen sich Drensek, Strunz und von Laffert immer wieder auf den Qualitätsjournalismus und standen damit im eigenen Widerspruch zu ihren Aussagen, dass Reisejournalismus eher nicht hinterfragt, sondern lediglich inspirieren soll.

Debatten über Umbruch in den Medien

VG WortDer Deutsche Fachjournalisten Kongress ist mittlerweile etabliert. Die aktuellen Diskussionen in der Branche lassen ihn zudem genau für diejenigen Kollegen unabdingbar werden, die sich auf Innovationen in den Medien von morgen einstellen wollen. Mittlerweile werden auch innerhalb der Branche Szenarien diskutiert .

Verleihung des Fachjournalisten-Preises
Der Kongress wird vom Deutschen Fachjournalistenverband (DFJV) ausgerichtet und gibt Journalisten die Möglichkeit, sich mit Vertretern der Medienbranche auszutauschen. Renommierte Experten analysieren aktuelle Trends in eigenen Panels und Workshops und diskutieren mit den Kongressteilnehmern. Einmalig ist zudem die Atmosphäre: Nicht zuletzt, weil auf dem Kongress der Deutsche Fachjournalisten-Preis verliehen wird.

In diesem Jahr findet der fünfte Deutsche Fachjournalisten Kongress statt. Termin: 29. Oktober 2010. Veranstaltungsort: Atrium der Deutschen Bank in Berlin.