Knapp 100 Tonnen Lebensmittel gerettet

In der Aktionswoche „ Deutschland rettet Lebensmittel ” (noch bis zum 29. September 2020) hat das junge Unternehmen Rettergut aus Berlin verkündet, nunmehr fast 100 Tonnen Gemüse, Obst und andere hochwertige Rohstoffe gerettet zu haben. Mit ihrer jungen Food-Marke bewahren die Brüder Stephan und Philipp Prechtner damit viele Lebensmittel vor dem Abfall oder der Tierfutterverwertung. „Ein großer Teil unserer Arbeit besteht darin, herauszufinden, wann und wo Lebensmittel verschwendet werden. Das beginnt auf dem Acker, geht über Sortier- und Herstellbetriebe, den Handel und endet beim Verbraucher. Auf der ganzen Strecke wird weggeworfen, was das Zeug hält. Das Problem ist größer, als man denkt”, erklärt Geschäftsführer Philipp Prechtner.

Rettergut
Die Gründer der Food-Marke Rettergut, Stephan und Philipp Prechtner Foto: Jacqueline Schulz

Die Marke startete im Oktober 2019 mit einer Schokolade, in der Folge erschienen Biosuppen und Bioaufstriche (siehe auch hier den aktuellen Beitrag in der Lebensmittel Zeitung), Pasta und ein Erfrischungsgetränk. Seit September 2020 gehören auch Biopestos zum Sortiment.

Gastgewerbe in der Pflicht

Es ist kein Geheimnis, dass gerade im Hotel- und Gaststättengewerbe eine Vielzahl an Lebensmitteln weggeworfen werden. Etwa 17 Prozent der Lebensmittelabfälle in Deutschland entstehen bei Großverbrauchern wie Gaststätten, Kantinen, Mensen und Kliniken, wie auch eine Studie gerade ermittelt hat. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz nimmt nun diese Branche in die Pflicht und will im Rahmen der Kampagne Zu gut für die Tonne Strategien gegen die Verschwendung entwickeln.

Am kommenden Mittwoch ist Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner zu Gast beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband in Berlin. Gemeinsam mit der Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges will sie vor der geladenen Presse erläutern, worauf Gastronomen und Gäste achten sollten.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner Foto: Reitz, BMELV

Zweifelsohne ein Schritt in die Richtung, wenngleich dieser auch einhergehen muss mit der Reduzierung von Vorschriften, die gerade im Gastgewerbe eingehalten werden müssen und dies vielleicht sogar zurecht, wie auch die Ministerin weiß. Denn in vielen Vorschriften spielen Punkte wie etwa die Hygiene, Kühlketten oder Lagerkapazitäten eine Rolle. Wer sie nicht einhält, gelangt irgendwann an einen Lebensmittelkontrolleur, der das Gasthaus im schlimmsten Fall gleich schließen kann. Dass diese Berufsgruppe nicht gerade beliebt ist, steht außer Frage. Dennoch sorgen sie für einen überwiegend hohen Standard im deutschen Gastgewerbe, der bei allem Respekt vor diesem wichtigen Thema nicht aufs Spiel gesetzt werden sollte, beispielsweise wenn etwaige Lockerungen der Vorschriften bei einigen Betrieben den Impuls hervorrufen, die Sache nicht mehr ganz so ernst nehmen zu müssen.

Es bleibt deshalb zu hoffen, dass das gewünschte Umdenken zunächst bei den Entscheidern einsetzt, die Handlungsempfehlungen aus der Studie annehmen sollten. Eine Idee dazu: Der Kasseler Kochclub veranstaltet jedes Jahr den Kochwettbewerb um den Innocenti Pokal. Zum Abschlussevent gibt es ein mehrgängiges Menü für die geladenen Gäste. Die Wettbewerbsteilnehmer bereiten jedoch stets mehr Gerichte vor, als schlussendlich an die Tische der Gäste gelangen. Das bisschen mehr an Speisen ging in der Vergangenheit bereits mehrere Male an die Kasseler Tafel – ein Verein, der pro Woche mehr als 8 Tonnen Lebensmittel an einen Teil der rund 3300 Kunden und weitere Hilfsorganisationen verteilt.