Entspannung trifft Brauchtum

vgwortBad Birnbach entdeckte seine Traditionen für den Tourismus neu und investierte 17 Millionen Euro in die Thermenwelt

„Wir leben die Philosophie vom ländlichen Bad“, sagt Kurdirektor Viktor Gröll. Er weiß, dass er sich auf die Bad Birnbacher verlassen kann. Gemeinsam arbeiten sie an der weiteren Vermarktung ihrer kleinen 6.000 Einwohner zählenden Reisedestination. Neben Bad Füssing und Bad Griesbach positionieren sie sich im Rottaler Bäderdreieck gerade neu.

Bad Birnbach
Die Thermenwelt in Bad Birnbach mit dem Therapiebad, direkt gegenüber dem Vitarium.

Ursprünglich will sich der Ort Bad Birnbach seinen Gästen präsentieren – fern ab von aufgesetzten Vermarktungsstrategien neu entstandener Reiseziele. „Diese vielen kleinen Privatpensionen passen zu uns. Unsere Vermieter kennen ihre Gäste gut und bringen Herzlichkeit herüber“, erklärt Verena Brummer von der Kurverwaltung. Die Entwicklungen der letzten Jahren haben den Leistungsträgern in Bad Birnbach gezeigt, dass sie auf dem Reisemarkt nicht mitwuchern wollen. Dennoch setzen sie alles auf die stetige Modernisierung ihrer Thermenwelt und haben in den letzten fünf Jahren weitere 17 Millionen Euro investiert.

Damit sind mittlerweile mehr als 60 Millionen Euro in die Rottal Terme geflossen. Seit der Eröffnung der Therme im Jahr 1976 finanziert der Zweckverband Thermalbad mit dem Bezirk Niederbayern, dem Landkreis Rottal-Inn und der Marktgemeinde Bad Birnbach alle Investitionen der Thermenwelt, die der Motor jeglicher Fremdenverkehrsentwicklungen in diesem Ort ist. Pro Jahr nutzen rund 600.000 Gäste die Annehmlichkeiten dieser Wellnessoase. Die Hotellerie mit ihren 4.000 Betten profitiert ohnehin davon und lastet ihre Kapazitäten mit rund 730.000 Übernachtungen zu 51 Prozent aus.

Nach der neuesten Investition punktet die „Rottal Terme“ nun mit einigen Innovationen. Neben Thermenbach, Internetcafé, Aktivgarten, Garten der Sinne und Salzwasser-Lagune haben die Macher einen 700 Quadratmeter großen Ruhegarten mit Heckenlabyrinth, eine Sauna-Erlebniswelt mit Prießnitzbad sowie den Spa- und Wellnessbereich mit 6 Massage- und 2 Softpackliegen geschaffen. Außerdem ist ein drittes Restaurant entstanden. Zudem bietet das Hotel Chrysanthiehof einen Bademantelgang direkt zur Therme. „Wir sind stolz auf diese Entwicklung und auch darauf, dass es in Bad Birnbach zur guten Tradition gehört, dass den öffentlichen Investitionen die privaten folgen. So konnten wir uns in den letzten Jahren Stück für Stück weiter entwickeln“, erklärt Bürgermeister Josef Hasenberger.

Bad Birnbach
Barbara Frankenberger (von rechts) mit ihren Kindern Johannes, Martin und Elisabeth Fotos: Liebig-Braunholz

Die Kirche lassen die Bad Birnbacher trotzdem immer im Ort. Dafür fühlen sich die Menschen in diesem niederbayerischen Urlaubsort ihrer Jahrhunderte alten Geschichte viel zu sehr verpflichtet. Ihre Traditionen, ihre Musik, ihre Bräuche und ihre Speisen wollen sie deshalb nun auch verstärkt erlebbar machen. Beispielsweise mit Themenwanderungen zum Lichtmesstag – ein wichtiger Tag im früheren bäuerlichen Leben in Bad Birnbach, an dem Mägde und Knechte ihren Arbeitsplatz wechseln konnten. Oder mit musikalischen Abenden, zu denen die Geschwister Pilstl rottalerisch aufspielen. „Es gab Zeiten, da wollte unsere Musik niemand mehr hören. Jetzt freuen wir uns über die Gäste, die sich mitreißen lassen“, sagt Barbara Frankenberger. Im Gasthaus Alter Weißbräu tischt Familie Putz dazu bodenständig auf, etwa mit dem Kletzenbrot oder dem Geräucherten mit Sauerkraut.

Letztendlich bedient Bad Birnbach mit dieser touristischen Entwicklung einen Trend, den auch Studien der Deutschen Zentrale für Tourismus belegen: Die Deutschen reisen wieder gern im eigenen Land und lassen sich von ihrer Geschichte begeistern. Die Kurverwaltung ist auch aus diesem Grund verstärkt damit beschäftigt, die Betreiber von Hotels und Privatpensionen zu schulen. Ab Februar sind 1.500 Betten über die Homepage der Gemeinde erstmals online buchbar. Zudem engagieren sich viele Gastgeber in der Initiative Servicequalität.

Altmeister Jürgen Richter will es wieder wissen

„Ich bin ein Knochen und noch nicht am Ziel“, sagt der Küchenchef vom Hotel und Restaurant Zum Steinernen Schweinchen in Kassel. Sein Ziel definieren kann er allerdings nicht. Dafür sei er zu unzufrieden mit sich selbst.

jürgen richter koch
Umtriebig: Jürgen Richter formt die Küche im Hotel und Restaurant Zum Steinernen Schweinchen Fotos: Silke Liebig-Braunholz

Doch Jürgen Richter gehört zu den Altmeistern unter den deutschen Sterneköchen. Zweimal hat er bereits einen Michelin Stern erkocht – im Maritim-Restaurant Bakkarat im Casino am Maschsee (von 1994-1997) und im Schlosshotel Prinz von Hessen in Friedewald (von 1998-2001). Damals wie heute ist es die kreative Vollendung, die seine Arbeit auszeichnet. Die Liebe zum Beruf hat er im Hauswirtschaftskurs mit 19 Schülerinnen entdeckt. „Seitdem bin ich fasziniert davon und habe höchsten Respekt vor der gehobenen Gastronomie und Häusern mit Sterneköchen“, sagt er.

Hoher Grad an Kochkunst

Seine Küche im Hotel und Restaurant Zum Steinernen Schweinchen gehört ebenfalls zu den ausgezeichneten. Der Gault Millau hob das Haus auf die Liste der besten Restaurants in Hessen und bescheinigte dem Küchenmeister mit Konditorausbildung zum wiederholten Mal einen hohen Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität (16 Punkte). Der Feinschmecker bewertete mit 3 F. Zudem erhielt er die Aral Kochmütze.

Jürgen Richter genügt das nicht: „Wir wollen den Michelin Stern“, sagt er. Anders kochen tut er heute nicht. Wichtig ist ihm immer noch der Grundgeschmack des Produktes, seine unabdingbare Frische und die kreative Gestaltung des Gerichtes. Farbe sei ihm immer wieder wichtig: „Wenn ich einen Teller sehe, wo etwas farbiges drum herum verziert ist, geht mir das Herz auf“.

jürgen richter koch
Kalbsfilet im Wirsingblatt mit kalter Gazpacho, alter Wurst und Schinkenchip, Leber-Pumpernickelcrouton

Im Gourmetrestaurant in Kassel setzt er zudem auf Regionalität. Etwa 60 Prozent der Produkte kommen beispielsweise aus heimischen Wäldern. Auch die Metzgereien sind Lieferanten des Hotel und Restaurant Zum Steinernen Schweinchen. „Meist kaufe ich selbst ein und gehe in die Markthalle, um frische Saisonware zu bekommen“, sagt Richter. Im Gourmetrestaurant bietet er dann etwa einen Salat vom Kaninchen mit schwarzen Linsen und Chorizo-Essenz oder den Hummerschaum mit Datteln und Praliné an. Im Hotelrestaurant entstehen dazu die abgespeckten Varianten: Spaghettini mit Kaninchenragout in Vino Santo geschmort oder Hummer mit Melone und Rhabarbersorbet.

In der Documentastadt gehört seine Küche zu den Ausnahmeerscheinungen. Richter weiß das und erklärt es mit seiner Besessenheit. „Bei mir hat das Schnitzel immer die gleiche Farbe. Wenn dem nicht so wäre, würde mich das zerfleischen“, erklärt er. Qualität bedeutet für ihn, aus einem Produkt das beste zu entwickeln. Von Trends wie der molekularen Küche lässt er sich gern inspirieren. Der Gast darf bei ihm immer Höchstleistung erwarten. Dem Respekt vor ihm begegnet er mit der entsprechenden Distanz. „Ich duze mich grundsätzlich nicht mit Stammgästen und auch nicht mit meinen Mitarbeitern in der Küche“. Konsequenz gehört auch auf menschlicher Ebene zu seinen Eigenheiten. (slb)

Erschienen in der Allgemeinen Hotel- und Gastronomiezeitung

Kölner Dom ist der Deutschen Liebling

Der Kölner Dom bleibt die Nummer Eins der beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Deutschland – so das Ergebnis einer aktuellen Online-Umfrage des Deutschen Tourismusverbandes (DTV) und des Städteportals meinestadt.de unter 1.600 Internetnutzern. Bereits im vierten Jahr in Folge wählten die Umfrageteilnehmer auf die offene Frage „Was ist Ihre persönliche Lieblingssehenswürdigkeit in Deutschland?“ den gotischen Dom am Rhein auf Platz 1.

Kölner Dom
Der berühmte Kölner Dom in der Nachtansicht. Foto: Jim McDonald / DZT

Im Vergleich zum Vorjahr ist das Kölner Wahrzeichen in der Gunst der Deutschen sogar noch gestiegen: In 2009 schaffte es der Kölner Dom mit 8 Prozent der Stimmen auf Platz 1, in diesem Jahr gelangte das Wahrzeichen mit 15 Prozent wieder an die Spitze. Von Platz 3 auf Platz 2 verbesserte sich die Dresdner Frauenkirche mit 7,1 Prozent, das Brandenburger Tor sank mit 6,6 Prozent um einen Rang auf Platz 3. Auf Platz 4 und 5 im Ranking folgen Schloss Neuschwanstein und der Dresdner Zwinger.

Sehenswürdigkeiten stehen bei den Deutschen allgemein hoch im Kurs: 82 Prozent der Umfrageteilnehmer bekundeten großes Interesse an touristischen und kulturellen Attraktionen. Dabei assoziieren sie vor allem historische Denkmäler (41 Prozent), imposante Schlösser (14 Prozent) sowie Burgen und Kirchen (13 Prozent). 90 Prozent der Befragten haben ihre Lieblingsattraktion bereits einmal besucht.

Die Top 15 der beliebtesten deutschen Sehenswürdigkeiten 2010:

1. Kölner Dom
2. Frauenkirche (Dresden)
3. Brandenburger Tor (Berlin)
4. Schloss Neuschwanstein (Schwangau)
5. Dresdner Zwinger
6. Hamburger Hafen
7. Schwebebahn (Wuppertal)
8. Berliner Fernsehturm / Völkerschlachtdenkmal (Leipzig)
9. Reichstag (Berlin)
10. Heidelberger Schloss
11. Porta Nigra (Trier)
12. Wartburg (Eisenach)/ Zeche Zollverein (Essen)
13. Ulmer Münster
14. Holstentor (Lübeck)/Schweriner Schloss/ Residenz Würzburg
15. Herkules (Kassel)