Elverfelds neue Herausforderung auf hoher See

Beim anhaltenden Boom des Kreuzfahrt-Tourismus verwunderte die Meldung nicht. Nun geht also auch eine Luxushotelmarke auf See. Ritz-Carlton will bereits 2019 exklusive Yacht-Kreuzfahrten mit einer Gourmetküche anbieten.

Sven Elverfeld ist einer der wenigen Drei-Sterne-Köche in Deutschland und hält dieses Niveau für das Restaurant Aqua in Wolfsburg. Auf der Liste The World’s 50 Best Restaurants ist er in diesem Jahr auf Platz 70 abgerutscht. Foto: The Ritz-Carlton Wolfsburg

Sven Elverfeld, Küchenchef im Restaurant Aqua des The Ritz-Carlton Wolfsburg verkündete dazu auf der Social Media Plattform LinkedIn: „Great news – freue mich auf diese neue zusätzliche Aufgabe! Die Basis wird aber nach wie vor das Aqua *** bleiben!“

Die Herausforderung besteht nun in der Konzeption. Alle Ritz-Carlton-Yachten werden mit einem Restaurant des Sternekoch ausgestattet und dürften kulinarischen Hochgenuss versprechen. Damit wird die Luxus-Hotelmarke von Marriott International anderen Kreuzfahrtunternehmen, die beispielsweise Dieter Müller, Tim Mälzer oder die Konditorweltmeisterin Andrea Schirmaier-Huber u.a. verpflichten, gehörig Konkurrenz bieten.

Beispiel einer Yacht, die ab 2019 in See stechen wird. Foto: The Ritz-Carlton Hotel Company

In Social Media vorbildlich aufgestellt

vgwortGOSLAR Als ich heute den Presse-Newsletter des Harzer Tourismusverbandes las, war ich überrascht und begeistert zugleich. „Ob Social Media-Kanäle, wie Facebook, YouTube, Twitter, Google+ oder andere – wichtig bei der Kommunikation eines Unternehmens oder Dienstleisters ist vor allem die Aktualität seiner Meldungen und der direkte Austausch mit potenziellen Kunden sowie Vertretern der Presse“, hieß es darin. Wie wahr und zugleich doch verwunderlich, denn Journalisten wie auch ich, wissen, dass dies längst nicht für alle Unternehmen und Dienstleister gilt.

Das war schon immer so – weil Kommunikation eben nun mal nicht jedermanns Sache ist – und dennoch hört Kommunikation nicht dort auf, wo jemand ausschließlich sendet. Diesem Irrtum verfallen zunehmend aber genau die Unternehmen und Dienstleister, die glauben, dass ein Posting in einem sozialen Netzwerk in Zukunft völlig ausreicht, um mit der Welt in Kontakt zu sein.

Marktplatz Wernigerode (Germany)

Impressionen aus dem Harz sind bei Flickr in der Gruppe Harz zu finden. Hier ist der Marktplatz in Wernigerode zu sehen. Ein Manko, dass es auf der Webseite des Harzer Tourismusverbandes noch kein Bildarchiv gibt.

Deshalb las ich die Botschaft in der Newsletter-Nachricht aus Goslar bis zum Schluss und besuchte sogar das Presseportal, obwohl meine letzte Reise in den Harz schon einige Zeit zurück liegt und ich aktuell auch keinen Beitrag aus dieser Region bearbeite. Doch auch wenn sich keine Notwendigkeit fand und das Verschicken einer Mail in einem Newsletter zudem nicht gerade überraschte, war diese Mail dennoch außergewöhnlich, weil sie über die gelungene Verquickung aller Kanäle berichtete und einiges vorzuweisen hatten, bis hin zu einem Youtube-Kanal, der nicht nur angelegt, sondern sogar gefüllt ist. Dies – und deshalb entsteht dieser Blogbeitrag – ist eben etwas anderes als ausschließlich einen Newsletter zu verschicken oder eine Seite in einem sozialen Netzwerk zu betrieben. Ohne Ross und Reiter nennen zu wollen, verwundert es doch zusehends, dass soziale Netzwerke immer wieder dazu benutzt werden, um hierüber auch eine vermeintliche Unternehmenskommunikation zu führen.

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Die Harzer Schmalspurbahn ist die wohl berühmteste Dampflok in diesem deutschen Mittelgebirge Fotos (2): Flickr

Der Harzer Tourismusverband jedenfalls scheint verstanden zu haben, wo die Unterschiede zwischen den sozialen Medien, einer äußerst sensiblen Unternehmenskommunikation und der klassischen Pressearbeit liegen. So kann Kommunikation letztendlich auch Relevanz erzeugen und ihr Ziel erreichen. Bestenfalls ist dies Aufmerksamkeit!

ITB 2012: Politisch, technisch und hintergründig

Die 46. Auflage der ITB Berlin (Internationale Tourismus-Börse) präsentierte sich in diesem Jahr mehr denn je als die „Must-Have“-Messe unter anderem für Destinationen, Reiseveranstalter, Airlines, Hotels sowie mittlerweile auch verstärkt für Reise-Technologien. 10.644 Aussteller aus 187 Ländern empfingen bis zum 11. März rund 110.000 Fach- sowie Privatbesucher aus aller Welt.

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Impressionen von der ITB, auf der auch das Biergarten-Jubiläum des Tourismusverbandes München-Oberbayern und der Landeshauptstadt München in 2012 offiziell eröffnet wurde.

Sicherheit und Nachhaltigkeit als Keynote

Dabei war die ITB so politisch wie noch nie: Europäische Schuldenkrise, Umwälzungen in den arabischen Ländern, Klimaschutz und Nachhaltigkeit (siehe zu diesem Thema auch das nachfolgende Video als ein Beispiel für nachhaltigen Tourismus) sowie EU-Emissionshandel. Zum Auftakt des ITB Berlin Kongresses analysierte Hans-Werner Sinn, der Präsident des Münchener ifo Instituts, die Wirtschaftsentwicklung in Europa und weltweit. Über die touristische Zukunft der arabischen Länder diskutierten die Tourismusminister aus Ägypten, Marokko und Jordanien mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft. Sicherheit und Nachhaltigkeit in der Kreuzfahrtindustrie war das Thema des CEO Cruise Panel. Die Aspekte der sozialen Nachhaltigkeit wurden beispielsweise unter dem Thema „Accessibility“ behandelt, bei dem unter anderem die wachsende Zahl an Umwelt- und Nachhaltigkeitssiegeln sowie deren Glaubwürdigkeit für Industrie und Endkunden betrachtet wurde. Zudem wurde ein neues Format zum Thema Gesundheitstourismus auf dem ITB Berlin Kongress etabliert.

Smartphones als neue Reisebegleiter

Dass das dynamische Segment der Reise-Technologien in diesem Jahr noch stärker in den Fokus der ITB rücken würde, war absehbar. Unter der Schlagzeile „Das Smartphone verändert die Reisebranche“ wurden etliche Panels, Session und Vorträge zusammengefasst. Insgesamt 236 Technologieanbieter präsentierten ihre Produkte. In der eTravel World zeigten renommierte Unternehmen und junge Start-ups ihre neuesten Apps und Innovationen. Außerdem wurde mit der Travel Massive@ITB Berlin und dem New Media Summit eine neue Plattform für Blogger geschaffen. Sie können Destinationen mittlerweile bei der Vermarktung unterstützen. Wenig Aufmerksamkeit hingegen wurden sonst allgegenwärtigen Social Media-Plattformen gegeben. Auch die Flug- und Hotelsuchmaschine swoodoo kritisierte blinden Aktionismus der Reiseindustrie in punkto Social Media. „Nur ein nice to have“ war das Urteil von Dr. Christian Saller (Foto), CEO der Flug- und Hotelsuchmaschine swoodoo zum Nutzwert von Social Media in der Tourismusindustrie. Anlässlich der ITB stellte sich das Münchener Unternehmen damit gegen den Hype der Industrie rund um Facebook, Twitter und Co.

Christian Saller

Als überbewertet sah Saller auch die Bedeutung der Boom-Plattform Facebook für die Tourismusindustrie. Die Anzahl der Fans stehe oftmals in keinerlei Verhältnis zu den monatlichen Verkaufszahlen. Viele Reiseportale verfügten lediglich über einige hundert oder tausend Anhänger. Eine verschwindend kleine Anzahl angesichts der siebenstelligen Anzahl von Flug- und Reisebuchungen monatlich. Auch die Euphorie einiger Destinationen bei der Verkündigung ständig wachsender Besucherzahlen und Übernachtungen, wurde durch die Prognose des World Travel & Tourism Council (WTTC) ein wenig geschmälert. Danach wird die deutsche Reise- und Tourismusbranche aufgrund eines schleppenden Wirtschaftswachstums im Jahr 2012 stagnieren. Die auf der ITB in Berlin veröffentlichten Statistiken zeigten, dass sich der Gesamtumsatz der deutschen Tourismusbranche in 2012 genauso wie im Jahr 2011 auf 41,9 Milliarden Euro belaufen wird. Im gleichen Zeitraum wird jedoch für die weltweite Reise- und Tourismusbranche ein Wachstum von 2,8 Prozent prognostiziert. Siehe auch Reiseanalyse 2012.

Buchtipp: Privat war gestern

Eigentlich sollte das Buch „Privat war gestern“ zur Pflichtlektüre für Jeden werden. Für jeden, der nur ansatzweise mit dem Gedanken spielt, einen Account in einem der zahllosen sozialen Netzwerke anzulegen. Wir können es uns kaum leisten, die umfangreich recherchierten Beispiele aus dem Medien- und Internetalltag der beiden Juristen Christian Schertz und Dominik Höch nicht ernst zu nehmen.

„Unsere Privatsphäre wird zerstört, und wir sehen tatenlos zu.“ Mit diesen Worten mahnen die renommierten Medienanwälte. Ihr Buch zeigt aufschlussreich, wie fahrlässig wir sind und wie trügerisch die Freude am Teilen sein kann. Dabei verweisen sie auf die Zielsetzung von Unternehmen wie Facebook. „Tatsächlich sind sich viele Nutzer nicht darüber im Klaren, dass Facebook ein auf größtmöglichen Gewinn ausgerichtetes Privatunternehmen ist“.

Buch Privat war gestern

Schertz und Höch setzen all denjenigen belegbare Argumente entgegen, die sich von Aussagen wie denen eines Mark Zuckerberg beeindrucken lassen. Mit Zitaten wie „Ich will die Welt zu einem offeneren Ort machen“, aber auch mit „They trust me, dumb fucks“ wird er in dem Buch zitiert. Gleichzeitig belegen sie, dass Netzwerke mit etlichen Scheinidentitäten oder Facebook-Seiten, die als Propagandamaschine in eigener Sache gelten, die viel postulierte Transparenz überhaupt nicht erreichen.

Vor allem aber sprechen sie von Verantwortung und davon, dass totale Transparenz in jedem Winkel menschlichen Zusammenlebens rechtsverletztend sei und zu einer Tyrannei der Offenheit führe. Ihre Schlussfolgerungen belegen sie mit zahlreichen Beispielen aus aktuellen Medien-Berichterstattungen, wie etwa dem Fall „Guttenberg“ oder „Kachelmann“. Letztendlich plädieren sie für das Begrenzen der unbegrenzten Möglichkeiten des weltweiten Netzes, „um das Individuum zu schützen“. Sie erheben damit eine Stimme für eine längst notwendig gewordene gesellschaftliche Debatte.

Christian Schertz / Dominik Höch
Privat war gestern – Wie Medien und Internet unsere Werte zerstören
Ullstein Buchverlage GmbH
246 Seiten
€ € 19,99 (D)
ISBN 978-3-550-08862-9

Ein Schwarm, der Böses dabei denkt?

Vor kurzem habe ich erst einen Beitrag zum Thema Endstation Tunnelblick? geschrieben. Jetzt war ich auf dem ConventionCamp in Hannover und sah viele Thesen bestätigt.

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Ich bleibe dabei – Onliner leben in einer Cloud. Auch, wenn auf dem ConventionCamp – einer der wichtigsten Konferenzen zur digitalen Zukunft – die Netz-Szene auf Wirtschaft und Wissenschaft traf, sei hier mal in Frage gestellt, ob die Verständigung der Menschen untereinander immer zielführend war.

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In einer Zeit, in der wir uns mit täglichen Neuerungen selbst überholen, ist es auch kein Wunder. Immer mehr Menschen bilden sich ihre Meinungen aus Echtzeitinformationen, die ungeprüft durch das Netz strömen. Die Welt bauen sie sich aus einer zerfaserten Kommunikationskultur – theoretisch ist das aber gar nicht möglich.

Doch mittlerweile diskutieren wir darüber, ob es ausreicht. Wir mutmaßen sogar, dass soziale Netzwerke Revolutionen in Gang setzten. Das Panel „Ihr werdet euch noch wünschen, wir wären politikverdrossen“ etwa stellte die Frage in den Raum, inwieweit sich Menschen über das Internet heute wieder verstärkt mit politischen Themen beschäftigen. Prof. Dr. Helmut Scherer vom Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung in Hannover relativierte die Macht der sozialen Netzwerke und stellte klar, dass es hierin lediglich um die Vernetzung, das Finden von Verbündeten und das Frust ablassen gehe – mehr nicht. Selbst der Veranstalter publizierte in einer Presseerklärung das Fazit: „Das Internet politisiert die Menschen nicht. Aber es erleichtert die Kommunikation für Proteste und unterwandert so die bisherigen Machtpositionen“.

Außerhalb der mit wenigen philosophischen Ansätzen in Bezug auf die Lebensveränderungen der Menschen angebotenen Sessions (Sitzungen), ließ das Camp sehr anschaulich erkennen, welcher Wettlauf um die Ideen von morgen mittlerweile stattfindet – selbst wenn sie noch so unsinnig sind. Denn: Ob die Menschheit all diese Ideen benötigt, wie viele Unternehmen mit ihren Ideen scheitern, welche Machtkämpfe um die Vorherrschaft im Netz längst toben – all dies konnte in der Kürze der Zeit nicht in Frage gestellt werden. Keinem der rund 1500 Teilnehmer des Camps war es möglich, auch nur annähernd alle Sessions zu besuchen – schon gar nicht Tiefgang in der Wahrnehmung zu erwarten.

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So bleibt für mich als Höhepunkt des Camps die Session mit Frank Schätzing unter dem Titel „Zukunftsgerüchte – Science Fiction oder Antizipation?“ als einzig wahrhaftige Interpretation der uns umtreibenden Wirrungen des Alltags in Erinnerung. In seinen beinahe philosophischen Betrachtungsweisen sprach er von dem Investigativen, das uns in der Wahrheitsfindung verloren geht. Er mahnte, dass wir mittlerweile weniger vertiefen, dafür aber mehr springen. Als Schriftsteller und Kommunikationswissenschaftler wies er zudem darauf hin, dass wir uns immer mehr dazu verleitet fühlen, auf Dinge zu reagieren, die möglicherweise Fehlinformationen enthalten. Mit diesen Thesen war er nicht allein.