Dehoga schlägt wegen Coronavirus Alarm

Der Ausbruch des neuartigen Coronavirus trifft die Hotellerie und das Gastgewerbe besonders hart. „Messen und Großveranstaltungen werden abgesagt und internationale Gäste bleiben aus. Immer mehr Betriebe berichten deshalb von Stornierungen“, erklärte Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA). „Die Entwicklungen verfolgen wir mit größter Sorge“, sagte er gegenüber der Presse. Die Auswirkungen des Coronavirus drohten laut Zöllick die erfolgreiche Entwicklung des Deutschlandtourismus auszubremsen.

Coronavirus
Foto: Flickr/lestudio1

„Vor wenigen Tagen lagen uns bereits von einzelnen Hotels insbesondere an Messestandorten Informationen über erhebliche Stornierungen vor. Die Situation hat sich leider noch deutlich verschärft“, so Zöllick. „Insbesondere die Absagen von internationalen Messen in Städten wie Frankfurt am Main, Düsseldorf und Berlin führen zu fatalen Kettenreaktionen.“ Unter den negativen wirtschaftlichen Folgen litten nicht nur die Hotels, sondern auch Eventcaterer und Restaurants.

Seriös ließe sich der Schaden noch nicht beziffern. „Erste Rückmeldungen aus den Betrieben zeigen allerdings, dass diese Einbußen im hohen sechs- bis siebenstelligen Bereich zu verkraften haben“, so der DEHOGA-Präsident. Für eine fundierte Einschätzung der Lage werde der Verband nun eine Erhebung starten.

Gastgewerbe in der Pflicht

Es ist kein Geheimnis, dass gerade im Hotel- und Gaststättengewerbe eine Vielzahl an Lebensmitteln weggeworfen werden. Etwa 17 Prozent der Lebensmittelabfälle in Deutschland entstehen bei Großverbrauchern wie Gaststätten, Kantinen, Mensen und Kliniken, wie auch eine Studie gerade ermittelt hat. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz nimmt nun diese Branche in die Pflicht und will im Rahmen der Kampagne Zu gut für die Tonne Strategien gegen die Verschwendung entwickeln.

Am kommenden Mittwoch ist Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner zu Gast beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband in Berlin. Gemeinsam mit der Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges will sie vor der geladenen Presse erläutern, worauf Gastronomen und Gäste achten sollten.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner Foto: Reitz, BMELV

Zweifelsohne ein Schritt in die Richtung, wenngleich dieser auch einhergehen muss mit der Reduzierung von Vorschriften, die gerade im Gastgewerbe eingehalten werden müssen und dies vielleicht sogar zurecht, wie auch die Ministerin weiß. Denn in vielen Vorschriften spielen Punkte wie etwa die Hygiene, Kühlketten oder Lagerkapazitäten eine Rolle. Wer sie nicht einhält, gelangt irgendwann an einen Lebensmittelkontrolleur, der das Gasthaus im schlimmsten Fall gleich schließen kann. Dass diese Berufsgruppe nicht gerade beliebt ist, steht außer Frage. Dennoch sorgen sie für einen überwiegend hohen Standard im deutschen Gastgewerbe, der bei allem Respekt vor diesem wichtigen Thema nicht aufs Spiel gesetzt werden sollte, beispielsweise wenn etwaige Lockerungen der Vorschriften bei einigen Betrieben den Impuls hervorrufen, die Sache nicht mehr ganz so ernst nehmen zu müssen.

Es bleibt deshalb zu hoffen, dass das gewünschte Umdenken zunächst bei den Entscheidern einsetzt, die Handlungsempfehlungen aus der Studie annehmen sollten. Eine Idee dazu: Der Kasseler Kochclub veranstaltet jedes Jahr den Kochwettbewerb um den Innocenti Pokal. Zum Abschlussevent gibt es ein mehrgängiges Menü für die geladenen Gäste. Die Wettbewerbsteilnehmer bereiten jedoch stets mehr Gerichte vor, als schlussendlich an die Tische der Gäste gelangen. Das bisschen mehr an Speisen ging in der Vergangenheit bereits mehrere Male an die Kasseler Tafel – ein Verein, der pro Woche mehr als 8 Tonnen Lebensmittel an einen Teil der rund 3300 Kunden und weitere Hilfsorganisationen verteilt.