Eurovision Song Contest lässt Hotelpreise explodieren

Roman Lob tritt für Deutschland mit dem Titel Standing Still an

BAKU Auf europäischer Ebene ist es das musikalische Ereignis des Jahres: Der Eurovision Song Contest. In diesem Jahr ist Baku, die Hauptstadt Aserbaidschans mit rund 2 Millionen Einwohnern Austragungsort – zur Freude vieler Hotels. Denn die heben in Zeiten wie diesen bekanntlich ihre Durchschnittsraten an. Der Tourist ist dem Markt ausgeliefert.

Metasuchmaschinen wie swoodoo spucken dann meist horrende Preise für eine Übernachtung aus. Die Auswertung von über 100 Anbietern zwischen dem 22. und 27. Mai ergab im Vergleich zu den Tarifen in den Wochen vor und nach dem Groß-Event: Überteuerte Hotelpreise für durchschnittlich 341 Euro pro Nacht für ein Zimmer, die außerhalb dieser Zeit bei rund 140 Euro liegen.

baku sunrise

Baku liegt im Südkaukasus, am Kaspischen Meer Foto: Flickr

Ganz oben auf der Preisskala steht das 5-Sterne-Hotel Crown Hotel, das während des Song Contest stolze 920 Euro für ein Zimmer pro Nacht verlangt. Mit einem Durchschnittspreis in den Wochen vor und nach dem Event von rund 150 Euro pro Nacht und Zimmer bezahlen Gäste somit das Sechsfache des üblichen Tarifs. „Die Hotel-Infrastruktur in Baku ist nicht mit Mittel- und Westeuropa vergleichbar“, sagt Dr. Christian Saller, CEO von swoodoo. „Zwar wurde viel investiert, doch einige Hotelprojekte konnten nicht rechtzeitig fertig gestellt werden. Der Eurovision Song Contest mit seinem extrem hohen Bedarf an Hotelzimmern führt daher zu diesen Preissteigerungen.“ Sehr zum Leidwesen derjenigen, die jetzt ein Zimmer benötigen.



Neues Gebräu zum Jubiläum

140 Jahre: Hasseröder feiert Jubiläum Foto: Anheuser-Busch InBev

WERNIGERODE Die Biermarke Hasseröder feiert Geburtstag und wird am 19. Mai 140 Jahre alt. Die Geschichte der einstigen Brauerei “Zum Auerhahn” begann 1872 im heutigen Wernigeroder Stadtteil Hasserode, wo pro Jahr über 2,7 Millionen Hektoliter Bier produziert werden.

Seit 2004 (laut Pressemeldung, 2003 laut Website und Wikipedia gar seit 2008 – vielleicht kann ein Konzern dieser Größe diese Fauxpas mal ausbügeln) gehört das Unternehmen zum weltgrößten Brauereikonzern Anheuser-Busch InBev mit Sitz in Bremen. In Deutschland zählt Hasseröder neben Beck’s und Franziskaner zu den drei stärksten Marken des Unternehmens, weltweit zu den wichtigsten 20.

Zum Jubiläum haben die Braumeister eine alte Rezeptur neu belebt. Mit “Hasseröder Fürstenbräu Granat” gibt es jetzt ein Bier mit einem röstaromatischen, vollmundigen Geschmack und 5,8 Prozent Alkoholgehalt. Auf der direkten Website der Marke mit dem Auerhahn ist dazu zwar noch nichts zu lesen, dafür gibt es dort aber jede Menge Informationen zu den anderen Produkten und zu Aktionen. Bis zur Fußball-WM wird das Unternehmen des deutschen Mannes liebstes Getränk aber garantiert noch umfangreich bewerben.

Glückwunsch Hasseröder!



Viele Wege führen ins Hotelbett

vgwortKÖLN/LONDON/BERLIN Der Markt der Hotelbuchungsportale ist in Bewegung. Immer mehr Player stoßen dazu – Giganten wie etwa die HRS-Hotel Reservation Service Robert Ragge GmbH mit Sitz in Köln (HRS) haben einst den Vertrieb für eine in Deutschland zersplitterte Hotellerie aufgebaut, die es sich nicht leisten konnte, in eigene Vertriebsstrukturen zu investieren. Heute haben sie mit einem dramatischen Strukturwandel in der Distributionslandschaft zu kämpfen und einem veränderten Wettbewerb. Immer mehr Player, die früher Zimmerkontingente der Hotels lediglich an Reisebüros verkauft haben, öffnen sich und stellen sich breiter auf. Hinzu kommen die Hotels, die über ihre eigene Website Buchungsmöglichkeiten bereitstellen.

Erst kürzlich ist das internationale Hotelportal Global Hotel Exchange mit Büros in London und den Vereinigten Staaten gestartet. Das attraktive Ziel dieses Marktteilnehmers – Hotelzimmer für die Hoteliers provisionsfrei zu verkaufen – dürfte unter anderem HRS mit seinen bei Hoteliers stark kritisierten hohen Provisionen ein Dorn im Auge sein. Das Unternehmen war zudem Anfang des Jahres erst wegen Verstoßes gegen §§ 1 und 20 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen vom Bundeskartellamt abgemahnt worden. Seither untersucht die Behörde die Best-Preis-Klausel, nach der die Hoteliers ihre Zimmer auf anderen Kanälen nicht günstiger anbieten dürfen. “Die Ausnutzung der Marktmacht durch die Best-Preis-Garantie von HRS ist aus unserer Sicht eine eklatante Behinderung des Wettbewerbs”, erklärte Ognjen Zeric, einer der Gründer von JustBook, dem Unternehmen, mit deren Unterstützung die Abmahnung erwirkt wurde. JustBook ermöglicht seinen Kunden mit einer kostenlosen App Last-Minute-Buchungen von qualitativ hochwertigen Hotels – allerdings bisher nur in einigen Großstädten. HRS dagegen betreibt ein weltweites Portal mit über 250.000 Hotels aller Kategorien in 180 Ländern.

Hotel Forellenhof Saalbach Hinterglemm

Auch die Hotels selbst verändern die Marktbedingungen und setzen, wie etwa das Hotel Forellenhof im österreichischen Saalbach Hinterglemm auf die eigene App und Buchungsplattform. Foto: Flickr

Der Google Hotelfinder, vor dem einige Hoteliers in persönlichen Gesprächen doch etwas Unsicherheit zeigten, ist eher ein Geschenk als ein Gespenst. Die Angst vor dem Big Player war sicherlich auch darin begründet, dass HRS seit dem 1. März mit den neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen die Provision für Hoteliers von bisher 13 auf 15 Prozent pro Buchung erhöht hatte. Einige Hoteliers dachten, bei Google könnte es noch teurer werden. Doch, auch wenn die Buchung eines Zimmers über den Google Hotelfinder den Hoteliers eine im Vergleich zu HRS geringfügige Provision abverlangt, ist der Hotelfinder doch eher eine Suchmaschine als ein Reservierungsportal und führt lediglich auf die entsprechenden Buchungsplattformen. Denn Google hat erkannt, dass schon 2014 mehr Menschen über die mobilen Endgeräte auf das Web zugreifen werden als über den Desktop. “Derzeit gibt es rund 800 Mio. Geräte und etwa 1 Billion Visitors pro Tag auf Google. Die Tendenz steigt täglich”, sagte Bernd Fauser, Head of Global Top-Accounts Travel Google auf der ITB. Bestimmt sind die Plattformen HRS und Booking.com auch deshalb bei der Suchworteingabe “Hotelfinder” bei Google mittlerweile weit oben gelistet und lassen sich etwa über die Adresse www.booking.com/hotelfinder auf ihre übliche Website führen.

Erst kürzlich hatte auch die gemeinsame Umfrage des Hotelverbandes Deutschland (IHA), der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) und hotelleriesuisse in Zusammenarbeit mit dem Institut für Tourismus der Fachhochschule Westschweiz Wallis in Siders ergeben, dass die Online-Distribution für die Hotellerie zunehmend an Bedeutung gewinnt. Der Gast erwartet eine bequeme Handhabung und setzt zudem voraus, dass die Buchung auch vollzogen wird. Wenn dies nicht der Fall ist – wie bei meinem familiären Aufenthalt kürzlich in Amsterdam – könnte das Unternehmen auch schnell von Wettbewerbern überholt werden. Letztendlich stellt sich für den Gast dann wieder die Frage, ob er mit seinem mobilen Endgerät nicht doch die nette Dame an der Rezeption anruft und bei ihr ein Zimmer reserviert. Laut weiteren Ergebnissen der gemeinsamen Umfrage von IHA, ÖHV und hotelleriesuisse verfügen bereits 45 Prozent der Hotels in Deutschland über ein Echtzeitbuchungssystem, in Österreich sind es 50 Prozent, in der Schweiz 51 Prozent. Angesichts dieser Zahlen dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Alleinherrschaft der bisherigen Marktgiganten ein Ende findet und der Gast die Qual der Wahl hat, sich entscheiden zu müssen wie und wo er sein Hotelbett bucht.

Persönliche Anmerkungen zum Aufenthalt in Amsterdam:

Am 18. März hatte ich eine Hotelbuchung über HRS vorgenommen, die das Unternehmen auch bestätigt hatte. “Das Hotel “Moevenpick Hotel” in Amsterdam wurde verbindlich für Sie gebucht”, hieß es in der Mail. Vor Ort stellte sich am Anreisetag jedoch heraus, dass das Hotel ausgebucht war und dies HRS auch mitgeteilt wurde. Das Unternehmen unternahm jedoch nichts.

Lediglich durch den souveränen Umgang des Rezeptionsteams mit dieser Unannehmlichkeit trat der Worst Case – das Schlafen auf der Straße in einer zu diesem Zeitpunkt völlig überbuchten Stadt – nicht ein. Das Hotel pokerte hoch und gab ein Zimmer frei, das gebucht, aber bis zu diesem Zeitpunkt (21 Uhr) noch nicht abgerufen worden war.

Bis zum heutigen Tag kam aufgrund dieses Vorgangs von HRS keinerlei Rückmeldung, schon gar nicht etwa eine Entschuldigung.

Ich gebe zu, bisher meist über HRS gebucht zu haben. In der Regel bin ich bis zu 15 Mal pro Jahr in Hotels unterwegs. Diese Vorgehensweise hat sich im Monat April bereits geändert.



Europa dominiert unter den weltbesten Restaurants

The World's 50 best Restaurants sponsored by S.PellegrinovgwortElena Arzak Espina ist die beste Köchin der Welt. Hier mit ihrem Vater Juan Mari
Fotos (3): Flickr/The World’s 50 best Restaurants sponsored by S.Pellegrino

LONDON Gestern Abend wurden die diesjährigen The World’s 50 Best Restaurant Awards in der Londoner Guildhall vergeben. Auch 2012 wird die Liste von Europa dominiert: Von den 7 französischen Restaurants befinden sich 5 unter den ersten 20. Spanien hat 5 Ranglistenplätze inne, einschließlich dem von Elena Arzak auf Platz 8. Arzak wurde gleichzeitig mit dem Veuve Clicquot World’s Best Female Chef Award ausgezeichnet.

Das Noma (Kopenhagen) gewann zum dritten Mal in Folge den Titel des besten Restaurants der Welt. Italien ist unter anderem auf Platz 5 mit der Osteria Francescana in Modena vertreten, die britische Fraktion mit Heston Blumenthals Dinner in London auf Platz 9 und die Schweden mit Frantzén/Lindeberg in Stockholm auf Platz 20. Das Oud Sluis (Niederlande) landete auf Platz 21. Aus Deutschland belegen das Aqua in Wolfsburg Platz 22 und das Vendome in Bergisch Gladbach Platz 23.

The World's 50 best Restaurants sponsored by S.Pellegrino

Sergio Herman (Oud Sluis) durfte sich über Platz 21 freuen

Neu war in diesem Jahr der Slow Food UK Award, gesponsert von Highland Park Single Malt Whiskey. Der Preis, mit dem Köche und Restaurants ausgezeichnet werden, die Kleinerzeuger und nachhaltige Qualitätsprodukte unterstützen, wurde an das Steirereck verliehen. “Eine speziell einberufene Jury bewertete die 50 besten Restaurants anhand der Grundsätze der Slow Food-Bewegung – regionale Herkunft, Tradition, Nachhaltigkeit und Wiederbelebung vergessener Nahrungsmittel – und Heinz Reitbauers (Foto) Steirereck in Wien lag letzten Endes an der Spitze.

Heinz Reitbauer, Steirereck

Das Restaurant befindet sich im zentral gelegenen Wiener Stadtpark und das dortige Engagement für regionale Erzeugnisse ist ebenso bemerkenswert wie die Verwendung historischer Zutaten und Rezepte sowie die Förderung der Nachhaltigkeit entlang der gesamten Nahrungskette”, fasste William Drew, Herausgeber der Zeitschrift Restaurant die Entscheidung zusammen.

Dieser Preis beweist einmal mehr, wie weit der Slow Food-Gedanke mittlerweile in der Gastronomie mit Weltklasse-Niveau angekommen ist. Es ist die logische Konsequenz aus dem simplen Verlangen nach Nachhaltigkeit, die das Denken der Slow-Foodies umtreibt. Die Top 50 Best Restaurants sind hier einsehbar. Außerdem veröffentlicht die Zeitschrift Restaurant die Rangliste in ihrer aktuellen Maiausgabe.



Sorgfalt wird belohnt

vg wortDer Ruheraum im Gräflicher Park Hotel & Spa Fotos: Gräflicher Park

BAD DRIBURG Eines vorweg: Medienunternehmen, die Preise vergeben, verfolgen meistens auch einen Selbstzweck. Mit dem passenden Event zur Preisverleihung verschaffen sie sich zudem die entsprechende Aufmerksamkeit – auf ihre Produkte. Anlässlich der neuen Ausgabe des Spa Guide wellness & beauty 2012/2013 vergibt die Busche Verlagsgesellschaft mit Sitz in Dortmund nun am 5. Mai 2012 den Branchen-Award “SPA Diamond 2012″ im “Gräflicher Park Hotel & Spa” in Bad Driburg.

“Der SPA Diamond ist ein Medienevent und eine Auszeichnung, die auf der Grundlage der Publikation Spa Guide seit dem Jahr 2004 durch die Busche Verlagsgesellschaft verliehen wird. Ausgezeichnet werden brillante Leistungen auf den Gebieten SPA, Wellness & Beauty sowie prominente Persönlichkeiten. Der SPA Diamond ist einer der größten Branchentreffs, der einmal im Jahr die Beauty- und Kosmetikindustrie sowie die Wellness-Hotellerie mit Wirtschaftsgrößen, Personen aus dem Show-Geschäft und den Dienstleistern der Branche zusammenbringt”, ließ die Pressemeldung verlauten.

In einem Privat-Spa genießen die Gäste ungestörte Aufmerksamkeit

In der Kategorie SPA-Resort gewann in diesem Jahr der Gastgeber der Preisverleihung – der “Gräflicher Park Hotel & Spa” am Fuße des Teutoburger Waldes. Und das zurecht. Denn das Haus ist auch für mich ein besonderer Ort – im Vergleich zu anderen Wellnessresorts findet der Gast hier wahrlich eine Oase der Ruhe und Entspannung. Ein Umstand, der dem gesamten Hotelkomplex in dieser einmaligen Parklandschaft geschuldet ist und gleichfalls der Sorgfalt, mit der die Betreiberfamilie an die Renovierung des Hotels mit dem Spa heran gegangen ist.

Ich freue mich mit deshalb mit der Familie von Oeynhausen-Sierstorpff und gratuliere zu diesem Preis, der in diesem Jahr außerdem an das Hilton Maledives Iru Fushi (Kategorie Spa Resort International) und an die Lifestyle-Expertin Frauke Ludowig (Kategorie Personality) vergeben wird.



Verheißungsvolles Riga?

vg wortOld Riga

Die pittoreske Altstadt von Riga mit ihrer achthundertjährigen Geschichte und das Stadtzentrum sind Teil des Unesco Weltkulturerbes. Hinter der Fassade scheint es einige kulinarische Besonderheiten zu geben, die erst noch entdeckt werden müssen Foto: Live Riga/Flickr

RIGA Es bleibt das Trendthema für die Vermarktung touristischer Destinationen. Regionale Produkte, gutes Essen und feine Restaurants ziehen mehr denn je die Begeisterung der Reisenden auf sich. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht etwa ein Hotel, eine Tourismusorganisation oder deren PR-Agentur auf ein Event, einen Küchenkalender oder eine saisonale Aktion hinweisen. Denn: Klappern gehört zum Handwerk und wer dies in der PR nicht beherrscht, hat seine Mission verfehlt. Doch vor lauter Klappern gehen manchmal vielleicht auch die wahren Perlen unter. Leider neigt unsere vom Mainstream geprägte Medienlandschaft allzu oft zu einer klischeehaften Wahrnehmung, in der Überschriften wie etwa “Kulinarisch Reisen-Riga, das baltische Zentrum für Feinschmecker!” noch so verheißungsvoll klingen können, nicht immer aber sofort auf redaktionelle Begeisterung stoßen. Manchmal tut sich über Jahre gar nichts in der Berichterstattung bis endlich ein Shooting-Star gefunden und aufgestiegen ist. Bestes Beispiel dafür sind die skandinavischen Länder, die mittlerweile auch unter den The World’s 50 Best zu finden sind.

Und so haben es die Verantwortlichen sicher nicht leicht, eine Destination wie Riga mit all ihren Geschichten zu vermarkten. Viel zu wenig wird über das Baltikum berichtet, über dessen kulinarische Besonderheiten eher auf Onlineportalen und Blogs – man muss sich schon sehr mühen, um Informationen zu finden und es scheint tatsächlich wenig zu geben, wie auch die GEO-Redakteurin Nina Freydag bei der Recherche für eine Sonderausgabe bemerkte. Dabei mutet gerade die alte Hansestadt Riga an, eine wahre Perle zu sein.

Wandering in Riga

Das Fernweh lockt: Romantische Gassen und beleuchtete Fassaden der Gasthäuser Foto: elusivethings/Flickr

Umso mehr verwundert, dass gerade in Zeiten, in denen sich Gourmetreisende permanent auf die Suche nach neuen kulinarischen Geheimtipps begeben, es so wenig umfangreich recherchierte Hinweise auf diese Stadt gibt. Momentan wird unter dem Motto „Fest für Feinschmecker Riga – baltische Hauptstadt der Gastronomie“ gerade die raffinierte Küche mit ihren regionalen Produkte präsentiert, um die Touristen und auch Einheimische auf die Essgewohnheiten, Geschmacksempfindungen und Weltanschauungen der Rigenser einzustimmen. In den letzten Jahren hat es in Lettland zudem eine rapide Entwicklung von Slow Food- und Naturkost-Bewegungen gegeben. Riga ist außerdem aktives Mitglied des kulinarischen Städtenetzwerks Délice – Network of Good Food Cities of the World und bietet mit seinen lokalen Restaurants, Cafés und Sondermärkten auserlesene Produkte und Gerichte an. Deshalb wird es Zeit, dass wir hier in Deutschland noch mehr über diese kulinarische Kultur erfahren – nicht nur, um damit den Tourismus zu unterstützen.



Der Protagonist wandert mit

Es gibt diese Regionen in Deutschland, die vornehmlich von der Vermarktung ihrer Landschaft leben. Doch der pure Hinweis auf die wundersame Natur genügt längst nicht mehr, um Gäste damit anzulocken. Während die heutigen Senioren noch vom schönen Schwarzwald, Allgäu, Harz, Erzgebirge oder Bayerischen Wald träumten, zieht es deren Kinder und bald auch die Enkel vorrangig sicher nicht in die näheren deutschen Reiseziele – zumindest nicht unbedingt für einen längeren Ferienaufenthalt. Deshalb lassen sich die Regionen, meist in Zusammenarbeit mit den Hotels und deren Köchen gern ein wenig mehr einfallen: Der Genuss-Aufenthalt oder die Genuss-Wanderung sind in.

Doch diese Ideen müssen auch gelebt werden. Ein Arrangement, dass den puren Genuss verspricht, muss ausgefüllt sein. Der Koch sollte überzeugen können, seine Region entsprechend vermarkten. Ich habe beide Seiten kennen gelernt: Entweder hatte die Tourismusorganisation mühsam einen Protagonisten gefunden, der sich bereit erklärte, diesen Job zu übernehmen und ihn dementsprechend engagiert ausübte, oder aber der Koch war derart gut in Form, dass er eher für sich und sein Haus warb als für die Region. Ideal ist es deshalb, wenn die für eine Vermarktung geeigneten Ideen wie von selbst entstehen. Dann spürt auch der Gast, was diese Region ausmacht.

Das Beispiel aus dem Schwarzwald, genauer gesagt aus der Gemeinde Baiersbronn, scheint mir diesbezüglich sehr authentisch. In dieser Gourmethochburg, in der ein Sternerestaurant neben dem anderen für sich selbst spricht, vermutet der Gast doch nicht etwa einen Wanderkoch wie Friedrich Klumpp. Dieser lässt sich auf der Suche nach Zutaten für seine Küche von Gästen begleiten und kredenzt ihnen unterwegs sogar ein Fünf-Gänge-Menü mit frisch gesammelten Zutaten. Der WDR hat dazu einen Beitrag produziert und ein paar begeisterte Gäste nach ihren Eindrücken befragt.

Eine nette Idee wie ich finde und irgendwie passt das in diese ländliche Region im nördlichen Schwarzwald, mit der gerade die Gourmetreisenden ansonsten doch eher die Schwarzwaldstube und Harald Wohlfahrt in Verbindung bringen und sich dort vom “Virtuosen der Aromen” verwöhnen lassen. Friedrich Klumpp begeistert seine Gäste dann schon eher mit Vogelbeeren oder Tannennadeln.



Genuss ist ein Erlebnis

STUTTGART Mit der Nacht der Sinne öffnet die Slow Food Messe heute wieder ihre Türen. Der Markt des guten Geschmacks entführt die Besucher dieser etablierten Show rund um das Thema Genuss und Geschmack noch bis zum Sonntag in gewohnter Weise.

In Halle 5 der Messe Stuttgart werden die Besucher erneut an der sich über 100 Meter erstreckenden „Langen Tafel“ Platz nehmen und in bekannter Slow Food-Manier mit den Tischnachbarn ins Gespräch kommen (siehe Foto: Liebig-Braunholz). Für Weinfreunde bietet die Vinothek in Halle 3 über 100 verschiedene Weine zur Verkostung. Weitere exklusive Verkostungen fair gehandelter Produkte werden in Halle 3 präsentiert – für Besucher mit einer Vorliebe für Süßes bieten die Schokoladenkreationen aus wildem Kakao oder gefüllten Pralinen besonderen Genuss.

Slow Food Deutschland stellt im Rahmen der Messe den neuen Slow Wine Führer vor. Außerhalb des Fachbesuchertages stehen unter anderem die Themen “Nachhaltiger Konsum”, “Die Zukunft der Landwirtschaft”, “Teller statt Tonne” und “Brot – Geschmack braucht Zeit” auf dem Programm. Weitere Informationen im Internet direkt bei Slow Food Deutschland oder der Messe Stuttgart.



Reisen mit dem Touristenstrom

vgwortEs gibt sie, diese Anziehungskraft der pulsierenden Metropolen dieser Welt. Touristen folgen ihr gern, lassen sich berauschen vom quirligen Treiben in der Enge der Gassen und dem hektischen Leben der Menschen. In Amsterdam wird dieses Treiben zudem permanent von den sich überwiegend mit Fahrrädern fortbewegenden Einheimischen gestört. Ein gemütlicher Stadtbummel empfiehlt sich deshalb lieber vom Wasser aus oder aber man steigt gleich selbst aufs Rad.

Fast jeder Amsterdamer besitzt ein Fahrrad, etwa 600.000 Drahtesel kommen auf rund 750.000 Einwohner. Fast 40 Prozent aller Wege legen die Bewohner der Grachtenstadt mit dem „fiets“ zurück: die schmalen Gassen der Innenstadt stammen aus dem 17. Jahrhundert und sind für Autos schlecht zugänglich. Die insgesamt 400 Kilometer langen Radwege bilden somit die ideale Alternative auf dem Weg von A nach B – auch für Touristen. Foto: Niederländisches Büro für Tourismus & Convention

Mehr als 3,5 Millionen Besucher zählt die europäische Metropole pro Jahr. Und da sich nicht jede Jahreszeit für einen Besuch anbietet, lässt sich erahnen, wie überlaufen die Attraktionen zu den beliebten Reisezeiten sind. Lange Schlangen vor den Museen sind keine Seltenheit – Zeit sollte man demnach mitbringen. Vielleicht sogar etwas mehr als üblich, denn in meiner Wahrnehmung habe ich etwa in der National Gallery of Art in Washington DC oder im Ägyptischen Museum in Kairo nicht so lange auf den Einlass warten müssen wie etwa im Van Gogh Museum. Dafür wird man reich belohnt – lange Zeit hat mich kein Museum so sehr beeindruckt.

Dies gilt auch für die Stadt an sich. Doch wie jede Metropole scheint auch Amsterdam mit den Touristenströmen zu kämpfen. Irgendwann ist der Reiz verloren, wenn man beispielsweise einen Pancake genießen will, das Café aber überfordert ist mit der entsprechenden Sorgfalt auf jeden Einzelnen einzugehen. In Florenz beispielsweise war mir dies zum letzten Mal derart unangenehm aufgefallen und Amsterdam scheint diesbezüglich auch ein wenig zur Schnellatmigkeit zu neigen. Umso angenehmer, wenn man auf die kleinen Geheimtipps zurück greifen kann, die mittlerweile jeder Reisende im Gepäck haben sollte. Amsterdam ist nicht das erste Reiseziel für Gourmets – die “New Stars” agieren in Sluis und in Zwolle – aber auch hier hat die Haute Cuisine einiges zu bieten, beispielsweise im Ciel Bleu oder im Ron Blaauw.

Doch einen Hinweis sind auch die vielen Adressen wert, die typisch niederländische Speisen anbieten und schon von außen mit ihren Speisekarten auf ihr Angebot verweisen. Auch die Braunen Kneipen, sogenannte “Bruine Café’s”, sollte man gesehen haben – sie versüßen den Amsterdam-Aufenthalt auf ihre besonders eigene Art und Weise. Einige von ihnen befinden sich um den berühmtesten Grachtengürtel der Stadt herum, der im 17. Jahrhundert rundum den mittelalterlichen Singel in Form eines Halbmondes angelegt wurde. Das Video zeigt weitere Impressionen der berühmten Grachten.



Paul Bocuse empfiehlt sich kurz und bündig

vgwortIch mag diese Art von Kochbücher: Aufschlagen, tolle Fotos sehen, Appetit bekommen und auf einer Buchseite das Rezept überfliegen können. Bocuse für jeden Tag ist so ein Buch und bietet zu den 220 Rezepten der klassischen französischen Alltagsküche noch zahlreiche Ratschläge von einem der berühmtesten Köche der Welt – etwa zum Thema Wein.

“Unsere Zeit ist schnelllebig, und es gibt eine ganze Generation, die nicht genügend Zeit hatte, sich sorgfältig mit der Küchenpraxis vertraut zu machen – irgendwann aber müssen wir uns alle zu Tisch setzen und essen! Das hat mich davon überzeugt, dass dieses Buch ihre Berechtigung und ihren Nutzen hat. Die Küche, die hier vorgestellt wird, ist für jedermann verständlich, die Rezepte sind leicht und schnell nachkochbar und erfordern keine teuren Zutaten. Ich habe schon viele Bücher geschrieben, aber auf dieses sprechen mich die Leute am meisten an, weil auch ein Anfänger ohne Erfahrung damit seine ersten Erfolgserlebnisse haben kann”, umschreibt Paul Bocuse den Inhalt dieser kleinen Bibel des guten Geschmacks. Gerade ist sie in der komplett überarbeiteten Neuausgabe erschienen und hervorragend geeignet für jeden Koch, der gern einmal durch die Welt eines der bekanntesten Köche stöbern möchte, der die Nouvelle Cuisine wie kaum ein anderer prägte.

Das Buch ist gegliedert in die Rubriken

Suppen
Vorspeisen, Zwischengerichte und Salate
Eier
Saucen, Pasten und sauer eingelegtes
Fisch und Schalentiere
Fleisch, Geflügel und Wild
Gemüse
Nudel und Reis sowie
Süsses

und enthält eindeutige Beschreibungen jedes einzelnen Arbeitsschrittes. Das Entrecôte Winzerinnen-Art erscheint hier wie ein Kinderspiel in der Zubereitung. Dazu werden Zwiebeln, graue Schalotten und Sardellenfilet püriert. Fast fertig! Zubereitungszeit: 10 Minuten. Garzeit: 25 Minuten je nach Geschmack. Bewusst empfiehlt Paul Bocuse Alltagsgerichte und hat auf komplette Menüs verzichtet.

Die Nouvelle Cuisine versteckt sich in diesem Buch nicht etwa in jedem Gericht und auf den ersten Blick, sondern vielmehr zwischen den Zeilen und kleinen Hinweisen des Autors. Für jeden Koch ein Muss und empfehlenswert!

Bocuse für jeden Tag
Aus dem Französischen von Marion Dill
304 Seiten, geb., 25,5 x 18 cm, durchgehend farbig
Verlagshaus Jacoby & Stuart GmbH
ISBN 978-3-941787-75-9
€ 24,95 (D) / € 25,70 (A) / SFr 35,50