Der beständige Euro rollt nicht nur über den Bierumsatz

NORDERSTEDT In meiner Yelp-Community habe ich meinen Besuch im Brauhaus Hopfenliebe mit den Worten “Lange nicht mehr so einen schlechten Restaurantbesuch erlebt” umschrieben. Die für mich dahinterstehende deutlich gewordene Unternehmensstrategie hat mich erschreckt.

Es ist bekannt, dass in der Gastronomie mit den Getränken das meiste Geld verdient wird. Dennoch muss man es dem Gast nicht auf dem Tablett servieren, dass man es als Gastwirt im Grunde genommen nur auf sein Geld abgesehen hat. Gäste sind Kunden und erwarten eine Gegenleistung. Sie wollen sich wohlfühlen und vor allem kann es vorkommen, dass sie ein Gasthaus besuchen, weil sie schlicht und ergreifend Hunger haben. Im Brauhaus Hopfenliebe muss man jedoch davon ausgehen, dass sich die Mannschaft nicht unbedingt auf die Wünsche der Gäste eingestellt hat. Vermutlich sind die positiven Bewertungen seit der Eröffnung des Brauhauses im November letzten Jahres auch darauf zurückzuführen, dass es in Norderstedt ein derartiges Gasthaus noch nicht gegeben hat und die Menschen sich nach einem Ort der Gastlichkeit mitten im Zentrum gesehnt haben. Umso schlimmer wenn man dann derartige Besuche verbuchen muss.

Denn wenn das Personal bereits während man noch damit beschäftigt ist seine Jacke auszuziehen und eine Garderobe zu suchen die Frage stellt “Darf es schon etwas zu trinken sein?” gelingt es kaum, sich erstmal in die Gasthaussituation einzufühlen und anzukommen. Noch schlimmer wird es, wenn man aufgrund der Tatsache, dass man eben nicht gleich etwas bestellt und den Kellner darauf hingewiesen hat, dass man sich erst einmal setzen wolle, überhaupt nicht mehr beachtet wird und der Kellner anschließend ständig am Tisch vorbeiläuft ohne nochmal nach den Wünschen der Gäste zu fragen. Folgt dann zudem eine Umsetzung, weil das Personal vergessen hatte, dass der Tisch eigentlich reserviert war an dem man platziert worden ist, beginnt die Einfühlphase an einem neuen Platz im Gasthaus wieder von vorn. Hat man dann immer noch keine Getränke serviert bekommen, wird es bereits schwierig, den Gast überhaupt noch zu begeistern.

Unhandlich und ohne Brauhausklassiker
Das Studieren der Speise- und Getränkekarte im Brauhaus Hopfenliebe eignet sich zwar zur Zeitüberbrückung, jedoch weniger zur handlichen Lektüre. Die auf Metallbrettern zusammengehefteten Seiten lassen sich kaum weiterblättern, da sie viel zu fest eingeheftet sind und die Halterung keine Beweglichkeit erlaubt. Um die endlos vielen Biersorten studieren zu können braucht es also Geduld, bis dann schließlich der Betreiber des Gasthauses Rajas Thiele einem erklärt, dass ausgerechnet das Bier, welches man sich ausgesucht hat, heute nicht zu haben ist. Gern verweist er dann auf die Kreidetafel an der Wand, auf der exakt die Biere gelistet sind, die der Gast wohl auch probieren sollte. Die Entscheidung für ein anderes Bier wird einem sozusagen gleich abgenommen. Bei den Speisen ist die Auswahl ziemlich klein. Zudem fehlen Brauhausklassiker, die ein Gast zu den starken Biersorten erwarten dürfte.

Nachdem einige Zeit später endlich die Getränke serviert worden waren, fragte die Bedienung nicht etwa danach ob man denn auch etwas essen wollte, sondern drehte sich um und ging ohne ein Wort. Während der darauf folgendenden weiteren Wartezeit konnte man dafür aber beobachten, wie der Betreiber sich redlich um die Bestellaufnahme der Getränke an den anderen Tischen mühte. Vor allem an einer langen Tafel mit begeisterten Biertrinkern, die den Umsatz an diesem Tag sicherlich in die Höhe schnellen ließen, gab er sich richtig Mühe. Nach gefühlten 40 Minuten waren die Getränke an unserem Tisch ausgetrunken, sodass der Betreiber auch bei uns nachfragte, ob wir denn noch etwas trinken wollten, dafür aber wenig Interesse daran zeigte, auch einmal die Bestellung für die mittlerweile ausgewählten Speisen aufzunehmen. Auch er ging wieder ohne ein Wort.

Unsensibel, wenig offen für Gästewünsche und überhaupt nicht flexibel schien jedoch das gesamte Personal an diesem Tag. Mit einer offenen Bemerkung hinsichtlich des Wunsches, auch einmal bestellen zu wollen, konnte das Personal wenig professionell umgehen. Die Bemerkung der Restaurantleiterin Francis Stechemesser: “Bleiben Sie mal cool, hier geht es allgemein etwas lockerer zu”, schlug das Fass bereits aus dem Boden. Immerhin nahm die Dame dann aber die Bestellung der Speisen auf, die jedoch eine gefühlte Ewigkeit auf sich warten ließen. Eine ebenfalls offene Bemerkung gegenüber dem Betreiber in Bezug auf die leider wenig vorhandene Wohlfühlatmosphäre in seinem Haus führte ebenfalls nicht zu einer zuvorkommenderen Bedienung. Dennoch bemühte er sich dann wenigstens um die bestellten Speisen, die genießbar waren. Dass der Spargel – wie auf der Karte angezeigt – nicht etwa mit Sauce Hollandaise serviert wurde und auch nicht danach gefragt wurde, wie wir es denn wünschten, nahmen wir schließlich enttäuscht hin. Ein weiterer Versuch, den Betreiber des Brauhauses auf die zahlreichen Defizite in seinem Haus aufmerksam zu machen, erschien mittlerweile für sinnlos.

Bleibt zu hoffen, dass es sich das Team des Brauhaus Hopfenliebe nicht noch mit weiteren Gästen verscherzt und Gastlichkeit, die in einer Metropolregion wie Hamburg einen noch größeren Stellenwert hat, ziemlich schnell verinnerlicht. Ich war definitiv zum letzten Mal Gast in diesem Brauhaus.

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Snapchat ist der aufsteigende Star in der Kommunikation

Snapchat-icon Snappen Sie schon oder posten Sie noch? Diese Frage stellt sich eine stetig wachsende Community mittlerweile nicht mehr.

Für das Onlinemagazin Fachjournalist recherchiere ich seit einigen Wochen das Thema Fachjournalismus im digitalen Zeitalter. Dazu habe ich mich auch tief in die Materie Snapchat hineinbegeben – mittlerweile mit großer Begeisterung.

Auf der re:publica in Berlin hatten Anfang Mai nicht wenige Experten der digitalen Gesellschaft Snapchat als die neue Entdeckung für den Journalismus der Zukunft entlarvt. Vielleicht gerade weil dieses nach 24 Stunden verschwindende Phänomen der digitalen Echtzeitkommunikation den für uns Journalisten so wichtigen Küchenzuruf – die zentrale Aussage des Textes – in den Mittelpunkt stellt. Vielleicht aber auch, weil Snapchat eine für mich seit langem vermisste wirklich adäquate Lösung für die Kommunikationsmodelle der Zukunft darstellt. Witzig – pfiffig – authentisch – sekundenschnell und jederzeit empfangbar.

Ein tolles Beispiel dafür habe ich heute auf Snapchat verfolgt, als Torben Tost, Digital Communications & Marketing Manager beim Hamburger Flughafen mit seiner Praktikantin Tamara, die BWL studiert und derzeit am Athener Flughafen einen Austausch absolviert, ein Live Interview führte. Die beiden unterhielten sich über die Unterschiede der Flughäfen und plauderten ansonsten auch über das sonnige Wetter in Athen im Vergleich zum Hamburger Schietwetter. Jeder hatte dabei lediglich sein Smartphone in der Hand und sprach in die Kamera. Anschließend schickten beide ihre Snaps in ihre Story – bitte ab sofort mehr davon! Denn exakt so sieht Kommunikation heute aus und erreicht sie die Zielgruppe. Mich habt ihr erreicht. Ich habe heute wahrscheinlich mehr über die Arbeit der Kommunikationsabteilung des Hamburger Flughafen gelernt als es ohne Snapchat jemals möglich gewesen wäre, als Kommunikationsabteilungen nur hinter verschlossenen Türen agierten und ihre Strategien austüftelten.

Trüffel: Eine Kostbarkeit in der gehobenen Gastronomie

vg wortNIEDERKASSEL Trüffel sind die wertvollsten und dadurch auch teuersten Pilze. In der gehobenen Gastronomie und Sterneküche veredeln sie sogar den Geschmack der Gerichte. Sie sind begehrt und doch oftmals unergründet aufgrund ihrer Vielzahl und zahlreichen Anbauregionen.

Sabine Hörnicke sucht in deutschen Wäldern nach Trüffel.

Sabine Hörnicke sucht in deutschen Wäldern nach Trüffel.

Sabine Hörnicke ist Diplom Trüffelberater und beschäftigt sich als Mitglied der Forschungsgruppe Hypogäen mit der ökologischen und mykologischen Untersuchung heimischer Trüffel. Sie erforscht die tatsächliche Verbreitung aller Trüffelarten in Deutschland, die Kartierung und Dokumentation der nachgewiesenen Arten sowie die Aufbereitung von Böden zur Errichtung von Plantagen. In einem Gespräch verriet sie viele Details rund um den Mythos Trüffel.

Wie viele Trüffelarten gibt es?
Umgangssprachlich werden alle Pilze, die Ihre “Fruchtköper” unterirdisch ausbilden in Deutschland als Trüffel bezeichnet. In der Fachsprache heißen diese Pilze Hypogäen; die Trüffel an sich stellt dabei lediglich eine einzelne Gattung, namens Tuber, dar.

Die Welt der Hypogäen ist noch längst nicht vollends erforscht. Die Anzahl der existierenden Arten kann daher nur geschätzt werden. So werden weltweit weit über 2000 Arten, in Europa an die 300 Arten vermutet. Allerdings finden die wenigsten Arten einen Platz in unseren Küchen. In Deutschland werden etwa zehn unterschiedliche Arten gehandelt und kulinarisch verwendet, die meisten tatsächlich aus der Gattung Tuber, also “echte” Trüffel.

Welches sind die bekanntesten?
Kulinarisch werden grundsätzlich schwarze und weiße Trüffel unterschieden. Dies nicht nur in Bezug auf Aroma und Geschmack, beide “Sorten” müssen aufgrund ihrer Eigenschaften in der Küche unterschiedlich behandelt werden. So werden weiße Trüffel grundsätzlich roh, allenfalls minimal erwärmt serviert. Schwarze Trüffel hingegen entfalten ihr Aroma vollends bei Hitzezufuhr und werden gerne bereits während des Kochvorganges mitverarbeitet; können aber genauso gut auch roh verwendet werden.

Die bekanntesten und auch begehrtesten Trüffeln sind die weiße Albatrüffel und der schwarze Perigordtrüffel. Diese beiden Arten sind wohl die begehrtesten und haben sich die Beinamen “Königin der Trüffel” (Albatrüffel) und die “schwarzen Diamanten” (Perigordtrüffel) erobert. Neben diesen beiden sind wohl die nachstehenden Trüffelarten die bekanntesten:

Tuber melanosporum – Perigordtrüffel oder edel Wintertrüffel
Tuber uncinatum – Herbst- oder Burgundertrüffel
Tuber aestivum – Sommertrüffel
Tuber brumale – Winter- oder Muskattrüffel
Tuber mesentericum – Bitumen- oder Elsasstrüffel
Tuber indicum – Chinatrüffel
Tuber macrosporum – großsporiger Trüffel
(Zu den schwarzen Trüffeln gehören)

Tuber magnatum – Alba- oder Piemonttrüffel
Tuber borchii – Frühlingstrüffel
(Zu den weißen Trüffeln gehören)

Die Perigordtrüffel werden auch schwarze Diamanten genannt.

Die Perigordtrüffel werden auch schwarze Diamanten genannt.

Wie unterscheiden sich die Trüffel in ihrem Aroma und Geschmack?
Trüffelarten unterscheiden sich erheblich in Aroma und Geschmack, wobei auch bei den unterschiedlichsten Aromen der einzelnen Trüffelarten, immer der spezielle und nicht beschreibbare Trüffelgeschmack vorhanden ist.
Die Aromen sind kaum in Worte zu fassen; sie sind einzigartig. Beim Versuch Duft und Geschmack zu beschreiben, werden Vergleiche zu Hilfe genommen, wie etwa knoblauchartig, bärlauchartig, waldig, erdig, pilzartig, haselnussartig, … Aber jeder Vergleich ist längst nicht ausreichend, um das Gaumenerlebnis annähernd gerecht zu werden. Jeder sollte sich sein eigenes genüssliches Urteil bilden. Auch hängt der wahrgenommene Geschmack der Trüffel vom Gericht ab. Manche Gerichte unterstützen den Trüffelgeschmack, bei manchen Gerichten wird der Trüffel eher als besondere Würze verwandt und nicht als Hauptkomponente.

Wieso verwendet die gehobene Gastronomie etwa den Albatrüffel sehr gern?
Gerade die Albatrüffel verzaubert uns durch ihren unglaublichen Duft und auch ihren außergewöhnlichen Geschmack. In der langen Geschichte der Albatrüffel war sie schon immer eine Besonderheit, auch als Gastgeschenk der italienischen Herrscher an Adelshäuser anderer Länder. Diese Wertigkeit hat sie bis heute erhalten können. Ebenso spielt hier sicherlich auch ihre “Unzähmbarkeit” eine Rolle. Meines Wissens nach sind alle Albatrüffel wildlebend.

Daneben ist der Perigordtrüffel sehr beliebt. Auch er betört unsere Sinne und verwandelt die einfachsten Gerichte in edle Genüsse. Für diese Trüffelart haben sich seit jeher die Franzosen stark gemacht. Nicht umsonst hat er seinen Namen der gleichnamigen französischen Region zu verdanken.

Warum ist der Trüffel im Einkauf so teuer?
Die Trüffelsuche erfordert viel Wissen und auch viel Geduld. Unter den Pilzsuchern gilt die Trüffelsuche als “Champions League”. Und trotz des Könnens der Trüffeljäger sind die täglichen Ernten oftmals gering, so dass die Nachfrage nicht bedient werden kann. Betrachtet man die investierte Leidenschaft, die Arbeit und die Ernteerfolge und stellt die weltweite Nachfrage gegenüber, müssten Trüffel eigentlich noch viel teurer sein.

Trüffel in der Zubereitung. Alle Fotos (3): Sabine Hörnicke

Trüffel in der Zubereitung. Alle Fotos (3): Sabine Hörnicke

Kurzportrait der vier bekanntesten Trüffelarten (im reifen Zustand):

Alba Trüffel (Tuber magnatum)
Erntezeit: Anfang Oktober bis Ende Dezember
Eine Trüffel mit einer glatten, hellen Außenhaut, aufgrund derer sie zu den weißen Trüffeln gehört. Das Fruchtfleisch ist beigefarben bis rotbräunlich, durchzogen mit weißen Adern. Der Geruch und Geschmack wird üblicherweise als sehr aromatisch und intensiv, knoblauchartig bis hin zu käsig beschrieben. Bei der Zubereitung ist zu berücksichtigen, dass Geruch und Geschmack bei Erhitzen verloren geht. Somit sollte die Albatrüffel roh verzehrt werden.

Perigord Trüffel (Tuber melanosporum)
Erntezeit: Mitte Dezember bis Mitte März
Etwas irreführend sind seine weiteren Namen, wie Schwarzer Trüffel, Wintertrüffel oder auch Edelwintertrüffel, da bei der Verwendung dieser Bezeichnungen nie eindeutig ist, welche Art der schwarzen Trüffel tatsächlich gemeint ist. Nur sein Beiname “Schwarzer Diamant” ist allein für den Perigordtrüffel reserviert.
Der Perigordtrüffel hat ein leicht rötlich-violett schimmernde schwarze mit feinen pyramidenförmigen Warzen übersätes Äußeres. Das Innere ist schwarz mit feinen stark verästelten hellen Adern durchzogen. Der sehr intensive und komplexe Geruch und Geschmack der Perigordtrüffel ist nicht zu beschreiben. Er ist einzigartig in der Natur. Meines Erachtens trifft kein Versuch, dieses Aroma in Worte zu fassen, das tatsächliche Duft- und Geschmackserlebnis.

Burgundertrüffel (Tuber uncinatum)
Erntezeit: Oktober bis Januar
Der Burgundertrüffel ist ein weiterer wunderbarer Gewürzpilz. Er hat eine rundliche bis runde Form. Die äußere Schicht besteht aus schwarzen, groben pyramidenförmigen Erhebungen. Sein Inneres ist mittel- bis dunkelbraun, durchsetzt mit hellen Adern.
Der Burgundertrüffel wird meines Erachtens kulinarisch unterschätzt. Sein Stellenwert reicht längst nicht an das der Perigordtrüffel heran. Gerade der Burgundertrüffel hat dieses so typische Trüffelaroma. Sein unverwechselbares und intensives Aroma kann tatsächlich annähernd mit pilzig, haselnussartig und an Waldboden erinnernd beschrieben werden, wobei aber auch hier die Komplexität nicht erfasst wird.

Sommertrüffel (Tuber aestivum)
Erntezeit: Mai bis Oktober
Der Sommertrüffel ist außen mattschwarz mit grobe pyramidenförmigen Erhebungen versehen. Sein Inneres ist beige bis mittelbraun, durchzogen mit hellen Adern. Sein Geschmack und sein Aroma sind sommerlich leicht, aber trotzdem sehr aromatisch. Der Sommertrüffel kann ebenfalls als pilzig, haselnussartig und erdig beschrieben werden und verfügt, genau wie der Burgundertrüffel, über das typische Trüffelaroma.
Auch diese Trüffelart wird in unseren Küchen unterschätzt. Sie verfeinert alle sommerlichen Gerichte, vom Salat, über helles Fleisch und Fisch bis hin zu erfrischenden Süßspeisen.

Abseits bestens etabliert

Miroslav Grasa vor den Ehlener Poststuben Foto: Silke Liebig-Braunholz Miroslav Grasa vor den Ehlener Poststuben Foto: Silke Liebig-Braunholz

HABICHTSWALD/EHLEN Die Ehlener Poststuben sind ein Begriff in der gastronomischen Landschaft Nordhessens. Das liegt an der untypischen Art des Gastgebers.

Miroslav Grasa bedient auch, wenn sein Hemd nicht exakt in der Hose sitzt. Er ist unkompliziert und hat das Herz am richtigen Fleck. Der gebürtige Kroate, der erst im schwäbischen Ländle Kellner lernte und dann über mehrere Stationen in das nordhessische Ehlen kam, konnte mit seiner unprätentiösen Art viele Gäste für sich gewinnen.

Seit Jahren sind die Ehlener Poststuben ein Geheimtipp. Die Gäste lassen sich gern überraschen. Nicht immer wählen sie aus der regelmäßig wechselnden Speisekarte – Miroslav Grasa liest ihnen auch gern die Wünsche von den Augen ab. „Wir haben immer noch sehr viele Geschäftsleute hier, die sich verwöhnen lassen wollen“, sagt er. Auch wenn er zugibt, dass er kämpfen muss, um seine Philosophie täglich neu zu behaupten, kann er nicht klagen: „Mein Konzept, hier auf dem Land eben kein Bistro mit Kneipe anzubieten, ist aufgegangen“. Ein gehobenes Restaurant sollte es werden, in dem die regionalen Produkte und eine frische Küche längst zu dem Garanten für den Erfolg geworden sind.

Eine halbe Million für das denkmalgeschützte Haus
Beinahe 20 Jahre ist es her, dass Miroslav Grasa das Haus gekauft hat, in dem sich noch immer die Ehlener Poststuben befinden. 550.000 Euro hat er bezahlt für das denkmalgeschützte Haus, an dem sich später Sanierungsschäden bemerkbar machten, die den Gastwirt zu weiteren Investitionen zwangen. Hinzu kamen die Energiekosten, die ihm immer wieder zu schaffen machen. „Es geht nur durch das zusätzliche Übernachtungsangebot“, beschreibt Grasa die Situation. Ohne die regelmäßigen Gäste in den vier Doppelzimmern, hätte er es schwerer. Schließlich stehen ihm nur 65 Sitzplätze im Restaurant zur Verfügung. Durch die auseinandergerissenen Räumlichkeiten auf zwei Etagen, kann er zudem nur selten größere Feierlichkeiten ausrichten. „Nicht jeder Hochzeitsgast möchte seine Feier in mehreren Räumen ausrichten. Das ist ein Manko in diesem Haus“, erklärt er.

Deshalb hat sich Grasa im Laufe der Jahre auch auf Kochkurse und Themenabende spezialisiert, um weiteren Umsatz zu generieren. Seit einiger Zeit bietet er im örtlichen Schwimmbad zusätzlich sein Bistro „Strandkörble“ an, in dem er täglich Frühstück mit selbstgebackenen Spezialitäten anbietet. „Letztendlich kam uns nicht immer zugute, dass wir das Haus anders etabliert haben, als es die heimische Bevölkerung gewünscht hätte“, sagt er. Denn die rund 2.700 Einwohner Ehlens kommen nur selten in den Gasthof, vielmehr sind es Auswärtige, die etwa von den umliegenden Städten und Gemeinden aus extra bis nach Ehlen fahren, um in den Poststuben zu speisen. 18 Jahre lang ist das Haus schließlich im Varta- und Michelinführer benannt. Das Original – ein Badischer karamellisierter Apfelpfannkuchen mit einer Kugel Vanielleeis – über Grenzen hinweg eine begehrte Köstlichkeit.

Der Chef kocht immer noch selbst und hat beispielsweise das Rezept seines Pfannkuchens mit in das Haus nach Ehlen gebracht. Auch wenn er seit 13 Jahren einen Küchenchef beschäftigt, ist er mit Leib und Seele Koch und Gastronom, der sich in der Küche und im Service gleichwertig wohl fühlt. „Wir arbeiten heute mit Landwirten zusammen, die uns das Fleisch aus der Region in hoher Bioqualität liefern. Das ist mir sehr wichtig geworden. Ich möchte die Menschen hier mit einbeziehen und einen Kreislauf herstellen“, erzählt er. Der Eschenhof ist beispielsweise ein Lieferant für Fleisch- und Geflügel, seine Weine bezieht Grasa von kleineren deutschen Winzern, unter anderem von der Ahr. Seine Nudeln stellt er selbst her. Obst und Gemüse kauft er bei Bauern der Region.

Infokasten:

Ehlener Poststuben, Kasseler Straße 11, 34317 Habichtswahl-Ehlen
Sitzplätze im Restaurant: 65
Hotelzimmer: 4 DZ
Preise: EZ 55 Euro / DZ 80 Euro
Mitarbeiter: 3 in Service und Küche / 5 Aushilfen
Hauptgerichte ab 7,50 bis 25 Euro
Öffnungszeiten: Di Ruhetag / Hotel täglich geöffnet
Restaurant ab 17.30 Uhr geöffnet, am Wochenende auch Mittagstisch ab 11.30 Uhr

Dieser Beitrag ist auch in der Allgemeinen Hotel- und Gastronomiezeitung erschienen

Stockholm erneut Hauptstadt des ESC

Foto: Mattias Dahlqvist

Foto: Mattias Dahlqvist

STOCKHOLM Die schwedische Hauptstadt hat sich für den 61. Eurovision Song Contest schick gemacht: Im Zentrum versprühen das Rathaus und die Einkaufsstraßen Glamour und am Norrmalmstorg zählt ein riesiger Lichtball (Foto) die Stunden bis zum Event. Die geschmückte Götgatan verbindet die Arena Globen mit dem Eurovision-Village im Kungsträdgården, wo die Fans seit dem 6. Mai zu Ihrem Musik-Event zusammenkommen. Ein 81 Meter hoher Aussichtsturm bietet hier einen Rundumblick über die Stadt.

Stockholm überrascht mit innovativen Musikinstallationen. Rund um das ESC-Village macht Loreens Gewinnerlied „Euphoria“ das Warten an der Ampel zum Vergnügen, während Måns Zelmerlöw dann mit „Heroes“ das Zeichen zum Weitergehen gibt. Einzigartig sind zudem die interaktiven „singenden Tunnel“, die sich an fünf Orten der Stadt befinden – und bis Jahresende bleiben werden. Die Installationen machen den Gang durch fünf Fußgängertunnel (Gullmarsplan Norra, Bredäng Centrum, Londonviadukten, unter dem Kirunaplan in Vällingby C und im Brunkebergstunneln) zum musikalischen Erlebnis. Am Eingang werden die Fußgänger aufgefordert, laut zu singen. Statt eines Echos entsteht dann eine gesampelte Stimme, die kombiniert mit anderen Stimmen ein Klangerlebnis eröffnet.

Auf dieser Bühne performen die 26 Teilnehmer morgen Abend ihren Eurovisions-Song. Die Show beginnt um 21 Uhr und wird durch die Weltpremiere des Songs Can’t Stop The Feeling von Justin Timberlake nochmals getoppt.